Berlin : Kalter Krieg

Gerd Nowakowski

fragt, wem die Erinnerung an die Mauer gehört Die Konfrontation der Weltmächte und die Schikane der DDR-Grenzer waren echt, die Erinnerungsstücke am früheren Checkpoint Charlie aber sind es längst nicht mehr. Das Original der berühmten Kontrollbaracke steht im Alliierten-Museum in Zehlendorf, die DDR-Grenzer und US-Offiziere sind im Zivilberuf Schauspieler. Wo der Kalte Krieg einst am kältesten war, haben wir nun einen heißen Streit darum, wer mit welchen nachgemachten Requisiten die Geschichte lebendig machen darf. Berlin-Besucher haben andere Sorgen: Wo bitte, geht’s zur Mauer? Denn von der immer noch größten Attraktion für Reisende aus aller Welt ist fast 15 Jahre nach dem Mauerfall nur wenig zu sehen; zu wenig. Kaum jemand findet auf dem Asphalt jene Linie aus Mauersteinen, die markiert, wo einst das Schandmal des Sozialismus stand. Da ist man froh um alles, was Geschichte erlebbar macht. Das Mauermuseum, das der Konkurrenz verbieten will, in Vopo-Uniformen ihr Geschäft zu machen, lebt nicht nur, aber auch von eben diesem Rummel. Die Erinnerung an die Mauer muss viele Orte haben, das ist Aufgabe der Politik. Wer eine Stätte des stillen Gedenkens sucht, findet sie an der Bernauer Straße, aber es bedarf auch touristischer Angebote. Die Erinnerung an die Untaten an der Mauer ist für vieleMenschen immer noch schmerzlich, doch ein Erinnerungs-Monopol kann es nicht geben. An die Friedrichstraße gehört beides: die Aufklärung über die Verbrechen an der Grenze und die Menschenrechtsverletzungen – und die Andenkenverkäufer und falschen Uniformen.

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