Berlin : Kaltstart

Saisonbeginn auf Berlins Eisbahnen: Wer noch nie auf Schlittschuhen stand, sollte einen Kurs belegen

Sebastian Leber

Vielleicht ist das Fernsehen doch mal zu was gut. Bernd Schüler hofft es. Dem Geschäftsführer des Berliner Eissport-Verbandes gefällt, dass sich auf RTL und Pro 7 seit Wochen Prominente mit Schlittschuhen aufs Eis wagen. „Dancing on Ice“ heißt die eine Show, „Stars auf Eis“ die andere. Immer mit hohen Einschaltquoten. Wenn nur ein kleiner Teil der Zuschauer auf die Idee kommt, es den Prominenten nachzutun, wird es voll dieses Jahr auf den Eisbahnen.

Die ersten Stadien sind bereits offen, für die Bahnen in Lankwitz und Spandau ist dieses Wochenende Saisonbeginn (siehe Kasten). Das „Publikumslaufen“, also das Öffnen der Bahnen für jedermann, ist für den Berliner Eissport-Verband auch deshalb wichtig, weil es vielen Besuchern als Einstieg dient: Irgendwann wird das bloße Im-Kreis-Fahren langweilig, dann will man Figuren laufen und beginnt mit dem Eiskunstlauf. Oder man liebt hohe Geschwindigkeiten, dann entscheidet man sich für Eisschnelllauf. Und wer Mannschaftssport mag, geht zum Eishockey. „Gerade der Kunstlauf würde Nachwuchs gut vertragen“, sagt Bernd Schüler.

Eislaufen kann gefährlich sein, auch das hat man im Fernsehen gesehen. Die Liste der verletzten Prominenten ist lang: Bei Moderatorin Ruth Moschner musste die Hüfte eingerenkt werden, Kollege Pierre Geisensetter hatte einen Kapsel- und Knochenanriss, Schlager-Sängerin Michelle zog sich eine Sehnenzerrung in der Schulter zu. Viva-Moderatorin Collien Fernandes war zunächst froh, dass die Schmerzen ihrer Hüftprellung erträglich waren – dann knackste sie sich eine Rippe an. „Das kommt davon, weil die Promis unter Druck stehen und ohne Vorkenntnisse etwas hinzaubern sollen“, sagt Schüler. Wer sich zum ersten Mal aufs Eis traue und gleich mit Hebefiguren beginne, müsse mit unschönen Momenten rechnen. Wer dagegen „keinen Blödsinn macht und ganz solide laufen lernt“, für den sei der Sport nicht gefährlicher als jede andere körperliche Betätigung. Bernd Schüler empfiehlt, einen der zahlreichen Kurse zu besuchen, die jede Saison von den Vereinen der Stadt angeboten werden.

Beim Berliner Schlittschuh-Club starten in diesen Tagen Kurse für Kinder ab fünf Jahren. Das sehe „ganz niedlich“ aus, wie die Kleinen ihre ersten Versuche machten, sagt Abteilungsleiterin Ursula Rehse. „Man kann davon ausgehen: Die ersten zwei Stunden liegen sie hauptsächlich auf dem Eis.“ Aber nicht schlimm – wer klein sei, könne schließlich nicht tief fallen. Unschön sei höchstens, wenn wegen des vielen Bodenkontakts die Kleidung durchweiche. Nach etwa zehn Trainingsstunden fahre aber jeder sicher geradeaus, weiß Rehse. „Und zwar egal, ob er fünf oder 50 ist.“

Neben Eishockey, Kunst- und Schnelllauf gibt es noch zwei weitere Sportarten, die in Berlin auf dem Eis betrieben werden können: Curling und Eisstockschießen. Beide seien „vor allem bei der reiferen Jugend beliebt“, wie Schüler vom Eissport-Verband sagt. Soll heißen: Unter 40-Jährige sind selten. Die zwei Sportarten ähneln sich, sehen aus wie Boulespiel auf dem Eis. Trotzdem ist ganz wichtig, dass man sie nicht miteinander verwechselt, das haben die Aktiven gar nicht gerne. „Höchstens ein bisschen artverwandt“ seien sie, sagt Bernd Karsten, Curling-Obmann beim Eissport-Verband. Und er erklärt die Unterschiede: Curling kommt aus Schottland, das Eisstockschießen aus der Alpenregion. Beim ersten schiebt man 20 Kilo schwere Granitblöcke, beim zweiten Holzgewichte. Eisstockschießen kann man aus dem Stand, beim Curling gleitet man mit, während die Mitspieler mit Besen vor dem Spielgerät herschrubben. Der wichtigste Unterschied ist jedoch: Es gibt mehr als 160 Eisstockschützen in Berlin, aber nur 25 Curling-Aktive. Das darf sich gerne ändern, sagt Karsten.

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