Kammeroper Schloss Rheinsberg : Elke Heidenreich schreibt Libretto für Rheinsberg

Frank Matthus übernimmt die von seinem Vater gegründete Kammeroper am Schloss Rheinsberg. Für die Festivalsaison 2015 hat er jede Menge Ideen parat - und eine Uraufführung auf eine Libretto von Elke Heidenreich.

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Der 80-jährige Siegfried Matthus (links) und sein Sohn Frank.
Der 80-jährige Siegfried Matthus (links) und sein Sohn Frank.Foto: Kammeroper Rheinsberg//Carla Arnold

Der nächste Sommer wird ein Traum. Davon ist jedenfalls Frank Matthus überzeugt. Der neue künstlerische Leiter der Kammeroper Schloss Rheinsberg lässt nämlich alle drei szenischen Produktionen des Festivals 2015 open-air stattfinden – „denn nur unter freiem Himmel entfaltet der Zauber dieses Ortes seine volle Wirkung“. So eine Entscheidung erfordert Mut angesichts des brandenburgischen Wetters. Denn auch wenn die ewige Italien-Sehnsucht der preußischen Könige im zauberhaften Park auf Schritt und Tritt zu spüren ist, liegt Rheinsberg nun mal nicht an der Adria, sondern nur am Grienericksee.

Als „glückhafte Verbindung von Natur, Musik und Architektur mit dem Charme junger Stimmen“ hat der Komponist Siegfried Matthus den Reiz des von ihm 1991 gegründeten Festivals zur Förderung des Opernnachwuchses treffend beschrieben. Nach einem erfolgreichen Vierteljahrhundert, in dem 370 000 Besucher hier im Ruppiner Land 70 verschiedene Inszenierungen erleben konnten, hat der mittlerweile 80-jährige Vater nun das Szepter an seinen Sohn weitergereicht. Für den 1964 in Berlin geborenen Frank, der als Schauspieler am Berliner Ensemble engagiert war und seit 1990 auch Regie führt, war der Weg nicht weit: Seit 1996 wirkte er im 25 Kilometer südwestlich von Rheinsberg gelegenen Netzeband, wo er mithalf, den dortigen Theatersommer zu überregionaler Bekanntheit zu führen.

Eine Menge neuer Ideen hat Frank Matthus mitgebracht: Weil er ein Fan der Romantik ist, wird er selber als Regisseur mit Verdis „La Traviata“ eine Trilogie der großen Frauenopern starten. 2016 und 2017 sollen dann „Tosca“ und „Carmen“ folgen. Parallel zu diesen Megahits des Repertoires aber will sich Matthus auch drei Uraufführungen leisten. Dabei soll die Frage im Mittelpunkt stehen, ob es nicht doch möglich ist, im 21. Jahrhundert die „hohe klassische Form der Oper“ mit Rezitativen, Arien und Ensembles fortzuführen. Also Musiktheaterstücke zu schreiben, die für die Zuhörer genauso leicht zugänglich sind wie die Meisterwerke von Mozart, Rossini und Co.

Heidenreichs will "Geschichten von heutigen Menschen" erzählen

Mit Elke Heidenreich hat der neue Intendant eine prominente Librettistin gefunden – und mit Marc-Aurel Floros einen Komponisten, der ganz auf seiner Linie ist. „Bevor Film und Fernsehen erfunden waren, hatte die Oper genau jene Funktion, die heute das Kino erfüllt“, betonte Floros bei der Präsentation der Rheinsberger Saison in der Brandenburgischen Landesvertretung in Berlin. „Sie ermöglichte den Menschen, dem Alltag zu entfliehen und sich bezaubern zu lassen.“ Genau das will er mit seiner Musik auch erreichen.

Elke Heidenreich hat ihm dazu einen Text mit dem Titel „Adriana“ geschrieben, in dem es um ein junges Mädchen geht, das auf der Suche nach ihrem Platz im Leben ist. „Themen, die mit uns zu tun haben“, will sie behandeln, und „Geschichten von heutigen Menschen“ erzählen. Um die Gefühle des Publikums zu erreichen, werden vor allem positive Gefühle auf der Bühne zu sehen sein: „Es mangelt ja nicht an Liebe in der Welt“, ist die Autorin überzeugt, „sondern nur an erträglichen Erwartungen an sie.“

25 Aufführungen bietet die Kammeroper zwischen 26. Juni und 22. August, die Tradition der Operngala wird ebenso weitergeführt wie das ganz spezielle Rheinsberger Format des „Singenden Sees“, bei dem Volksweisen und Abendlieder am Ufer erklingen, während die Besucher von Schiffen aus lauschen. Neu sind die „late night talks“: Unter dem Motto „Drag-Queens und Helden“ gibt es ein Programm mit barocken Arien, bei dem Männer und Frauen die Geschlechterrollen tauschen. Und zur Eröffnung werden die Mikrofone wie auch die Scheinwerfer ausgeschaltet, wenn im Heckentheater Händels Oper „Amadigi“ erklingt – unverstärkt und bei Fackelschein, so wie im 18. Jahrhundert.

Sollte es wider Erwarten in diesem Sommer doch einmal regnen, können die Freiluftproduktionen übrigens ins Ferienresort „Hafendorf Rheinsberg“ ausweichen. Dort gibt es eine Multifunktionshalle, die den Namen dessen trägt, der mit seiner Musikleidenschaft einst den Tourismusboom der Region angeschoben hat: die Siegfried-Matthus-Arena.

Weitere Infos zum Festival unter www.kammeroper-schloss-rheinsberg.de

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