Kampagne für sicheren Straßenverkehr : Der Senat wirbt plakativ für Rücksicht

Kommunikation im Krisengebiet: Wegen der rauen Sitten auf Berlins Straßen soll die neu aufgelegte Kampagne für mehr Rücksicht werben. Der Senat hat viele Partner dafür gewonnen.

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Eines der Kampagnenmotive: eine "Dose voll Rücksicht".
Eines der Kampagnenmotive: eine "Dose voll Rücksicht".Foto: promo

Der Termin sollte direkt auf dem Potsdamer Platz sein, aber dann mussten sie doch ein wenig an den Rand rücken, um nicht in den Bahnhof durchzubrechen: Ein Müllwagen, ein BVG-Bus, ein Van vom Stadtmöblierer Wall, zwei Velotaxis und ein halbes Dutzend Entscheidungsträger – so viel Gewicht ist selten auf einem Fleck. Anlass war die Präsentation der neu aufgelegten Kampagne „Rücksicht im Straßenverkehr“. In der reichen computermodellierte Menschen mit arg weißen Zähnen eine „Dose voll Rücksicht“ und füllen Sprechblasen mit Parolen wie „stiftet Frieden“ und „schont Nerven“.

Nachdem der Auftakt vor zwei Jahren vor allem vom Bundesverkehrsministerium bezahlt worden war, ist nun der Senat eingesprungen, der zwei Drittel zum Budget von 100 000 Euro beisteuert. Der größte Posten ist eher virtuell – und wird neben Werber Wall von S-Bahn, BVG, BSR sowie privaten Unternehmen beigesteuert, die für die Aktion in ihren Bereichen werben. „Jeder ist mal der Schwächere“, sagt Verkehrssenator Michael Müller (SPD). Dass mit ADAC und ADFC sowohl die Auto- als auch die Radfahrerlobby mitmache, zeige das gemeinsame Interesse an dem Thema.

Man könnte dem Senat vorhalten, dass er mit den Plakaten die Kür vorzieht, während es an der Erfüllung der Pflicht – etwa der Umgestaltung Dutzender Kreuzungen, die längst als chronische Unfallschwerpunkte erkannt sind – oft hapert. Burkhard Horn, der Müllers Verkehrsabteilung leitet, widerspricht: Kommunikation sei nicht nur Kür, denn auch die beste Infrastruktur könne Rücksicht nicht ersetzen. Im Übrigen seien Budgets und Personal für beides getrennt. Auch Eva-Maria Scheel, Landesvorsitzende des Radfahrerverbandes ADFC, hat keine Einwände gegen die Kampagne. Kritik von Mitgliedern habe nicht dem Inhalt, sondern der Verpackung gegolten: Die Alu-Dose sei doch umweltschädlich.

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