Berlin : Kampagne für Toleranz stößt auf viel Intoleranz

Valerie Schönian
Bart ab! Ein Plakat, das Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel zeigt, wurde am S-Bahnhof Yorckstraße verunstaltet. Foto: A. Myrrhe
Bart ab! Ein Plakat, das Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel zeigt, wurde am S-Bahnhof Yorckstraße verunstaltet. Foto: A. Myrrhe

Ein abgerissenes Plakat, aufgemalte Hitlerbärtchen am Tiergarten und in der Yorckstraße: Die Plakatkampagne des Vereins „Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ hat heftige Reaktionen ausgelöst. „Sie sind krasser als bei unseren bisherigen Aktionen“, sagt Geschäftsführerin Rebecca Weis. „Es wird sofort beleidigt.“ In den ersten Tagen stand das Vereinstelefon nicht still, mittlerweile sind fast 300 Mails eingegangen, viele Briefe, hunderte Facebook-Kommentare.

Am 21. März startete die Kampagne in Berlin. Auf den Plakaten sind neben dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit Prominente wie Paul van Dyk, Ulrich Wickert oder Kurt Krömer zu sehen. Neben ihren Gesichtern steht zum Beispiel „Ich bin schwul – wenn du was gegen Schwule hast“. Entsprechende Slogans gibt es etwa für Türken oder Muslime. Die Kampagne gibt es bisher nur in Berlin, der Verein arbeitet daran, sie auf das gesamte Bundesgebiet auszuweiten – und schon jetzt melden sich Menschen aus dem ganzen Land zu Wort.

Neunzig Prozent der eingehenden Negativ-Reaktionen richten sich gegen den Islam, schätzt Weis. Die Menschen unterschreiben mit Namen und Adresse und hoffen auf Antwort. „Die meisten Mails beginnen mit: ,Ich bin nicht rechts, aber...‘“, sagt Weis.

Mitglieder der rechtsextremen Gruppen „Pro NRW“ und „Die Identitären“ versuchen unterdessen, die Kampagne zu instrumentalisieren. Sie stellen Fotos von sich auf Facebook und schreiben dazu: „Ich bin Deutscher, wenn du gegen Deutsche bist.“ Valerie Schönian

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