Kampagne für Völkerverständigung : Tour der Toleranz

Drei Kreuzberger haben eine Mission: Wir alle sind Weltbürger. Den Song zur Kampagne singt Weltstar Shaggy.

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Kamera läuft. Der Jamaikaner Shaggy (l.v.) und der deutsche Reggae-Sänger Jahcoustix (r.) bei den Dreharbeiten zum Integrations-Song „World Citizen“ in Friedrichshain.
Kamera läuft. Der Jamaikaner Shaggy (l.v.) und der deutsche Reggae-Sänger Jahcoustix (r.) bei den Dreharbeiten zum...Foto: P. Zinken

Ganz zum Schluss im Musikvideo, da sieht man die jungen Männer strahlen. Hans „Eytsch“ Storck und Baran Keskin, beide 21, sie greifen mit ihren Ring- und Zeigefingern ineinander, das Symbol für: Wir sind verschieden, aber haben eine Gemeinsamkeit: Wir sind Weltbürger, „World Citizen“. Und so heißt auch das gerade erschienene Lied mit Musikvideo. Es singen auf einer fröhlichen Busfahrt mitten durch Berlin-Kreuzberg „Mister Lova Lova“ Shaggy aus Jamaika und der deutsche Reggae-Musiker Dominik Haas alias Jahcoustix. Damit haben die Kreuzberger und der Dritte im Bunde, Salah Said, eine private Idee groß gemacht: Sie wollten etwas tun für die Völkerverständigung, sie engagieren sich für Toleranz und den Dialog der Kulturen.

Dass eine Initiative aus dem Kiez jetzt über Konzerte, Medien und Internet globalisiert wird, ist dem europaweiten sozial-gesellschaftlichen Jugendprogramm „Think Big“ von Telefónica Germany und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung zu verdanken. Da können sich 14- bis 25-Jährige in Ländern bewerben, in denen Telefónica Europe seine Marke O2 anbietet. Das bedeute nun aber nicht, dass den Jugendlichen etwa Handys oder Verträge aufgeschwatzt werden, sagt Geschäftsführer René Schuster von Telefónica Germany. Es geht vielmehr um unternehmerisches Engagement, darum, „Corporate Social Responsibility“ (CSR) zu übernehmen, wie es immer mehr Betriebe tun. Natürlich bringt so ein Förderunternehmen einen Imagegewinn. Aber auch die Jugendlichen profitieren. „Der World Citizen Song zeigt, was Jugendliche auf die Beine stellen können“, sagt Schuster. Dank „Think Big“ sollen kreative Jugendliche eigene Projekte mithilfe digitaler Medien umsetzen können. Voriges Jahr hat das Unternehmen allein in Deutschland rund 250 000 Euro Fördergelder für 530 Projekte von 10 000 Jugendlichen gegeben, und 570 Mitarbeiter unterstützten die Teilnehmer mit 90 000 Arbeitsstunden. Auch Hans, Baran und Salah hatten sich bei „Think Big“ beworben, vor zwei Jahren, als das Jugendprogramm mit Schirmherrin Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) gestartet wurde.

„Wir waren genervt davon, immer gefragt zu werden, woher wir kommen“, sagt Baran. Seine Eltern stammen aus der Türkei, er selbst ist  Berliner, „und es stört mich, als Mensch immer zuallererst auf die Herkunft meiner Eltern reduziert zu werden“. Die eigene Persönlichkeit sei wichtig, und wie alle Menschen sei er Weltbürger: So war die Idee der Kampagne „World Citizen“ geboren. Die drei Kreuzberger wollten eine Informations- und Bildungkampagne starten. Von „Think Big“ gab es – wie für alle ausgewählten Bewerber – 400 Euro und Beratung von einem lokalen Partner. „Wir haben Medientraining bekommen, sind beraten worden, wie man sich vernetzt, es wurde eine Website für uns eingerichtet, ein Video gedreht, eine Plakatkampagne gestartet“, sagt „Eytsch“. Er will Politik studieren, schreibt für die Kirchenzeitung. Und jede Woche wendet Storck 20 Stunden die Woche für „World Citizen“ auf. Als Ehrenamtler sieht er sich nicht, er macht das aus Berufung, sagt er. Die Jugendlichen bieten auch Projekttage an Schulen an, für 14- bis 20-Jährige. Zunächst suchen die Schüler spielerisch nach Gemeinsamkeiten, Hobbys und Leidenschaften, um dann über die eigene Identität zu sprechen. Was ist mir wichtig? Wie sehe ich mich selbst? In der dritten Phase werden Unterschiede analysiert, die doch Gemeinsames zeigen: „Der eine interessiert sich fürs Christentum, der andere für den Islam, beiden ist Religion wichtig“, erläutert Storck.

Von den Berliner „World Citizens“ erfuhr der als Sohn eines Diplomaten in mehreren Ländern aufgewachsene Wahl-Münchner Jahcoustix. „Ich hatte die spontane Idee, einen Song dazu zu schreiben, ich wolle die Jungs unterstützen und Jugendliche im Glauben an sich selbst stärken“, sagt der 33-Jährige. Über das Plattenlabel Ministry of Sound kam Shaggy hinzu, in den 90er Jahren überall im Radio als Mister „Boombastic“.

„Auch im Musikgeschäft gibt es noch Diskriminierung und Benachteiligungen wegen der Hautfarbe“, sagte Shaggy dem Tagesspiegel. Bei den Dreharbeiten wärmte er sich in einem Van auf, Shaggy kam für einen Tag zum Dreh in einem Kreuzberger Tonstudio und auf dem Parkplatz der Friedrichshainer 02-Arena aus Kingston nach Berlin geflogen. Jetzt ist der Song veröffentlicht, und ein Viertel des Erlöses fließt an „Think Big“ zurück.

Im Video cruist der alte DDR-Ikarus-Bus mit der Crew entlang der U-Bahn-Hochbahn durch Kreuzberg, immer mehr Jugendliche steigen dazu. Für die Dreharbeiten froren Jugendliche aus ganz Deutschland im Februar vor der Kamera, sie hatten sich als Tänzer und Statisten beworben. So viele Gesichter, so viele Menschen, und doch sind alle Bürger dieser einen Welt, wirbt „Eytsch“ für seine Philosophie. „Manchmal kann ich gar nicht glauben, wie groß das geworden ist, für mich ist das wie ein Geschenk.“

Nur Salah Said wird sich diesmal doch ein klitzekleines bisschen ärgern über die globale Welt. Er studiert in Mainz, schrieb am Drehtag eine Klausur – und konnte nicht dabei sein.

- Alles zu „World Citizen“ im Internet auf www.o2thinkbig.de. Dort können sich auch Jugendliche mit Ideen bewerben. CD bei Amazon 6,99 Euro; Download 99 Cent. Jahcoustix spielt den Song und erzählt die Geschichte dazu auf Tour am 2. Juni bei Rock im Park, Nürnberg und am 3. Juni bei Rock am Ring am Nürburgring. Infos: www.weareworldcitizen.de. Wer eine CD gewinnen will: E-Mail mit „World Citizen“ bis 27.5. an verlosung@tagesspiegel.de.

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