Berlin : Kampagne gegen Zwangs-Sex Mit 9000 Plakaten sollen Freier erreicht werden

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Frauenverbände und die Polizei sind sich einig: Wenn die Fußball-WM im Juni beginnt, werden auch Bordellbesitzer den Rummel in der Stadt nutzen, um ihre Freudenhäuser mit Freiern voll zu bekommen. Das ist freilich nicht strafbar. Anders sieht es aus, wenn Frauen nach Deutschland eingeschleust, ausgebeutet und zur Prostitution gezwungen werden. Um auf dieses „besonders abscheuliche Verbrechen“, wie Polizeipräsident Dieter Glietsch es nannte, aufmerksam zu machen, unterstützt er ebenso wie Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und verschiedene Gewerkschaften die Aufklärungskampagne „Prostitution ohne Zwang und Gewalt“. Initiiert wurde sie von „Ban Ying“, einer Hilfsorganisation für Opfer von Zwangsprostitution.

Seit gestern hängen unter anderem 9000 Plakate in Herrentoiletten, um die Öffentlichkeit – vor allem Freier – auf das Thema aufmerksam zu machen. Der Deutsche Frauenrat wies schon vor Monaten auf die Gefahr hin, dass zum Großereignis WM mehr Frauen nach Deutschland geschleust und zur Prostitution gezwungen werden. Von 40 000 Frauen war in den Medien die Rede gewesen. Dies wies Glietsch gestern energisch zurück. „Niemand weiß, wie die Zahl zustande kam. Sie ist nicht seriös. Ob es mehr Zwangsprostitution zur WM geben wird, ist wilde Spekulation.“ Vielmehr handele es sich bei Zwangsprostitution um eine Form der Organisierten Kriminalität, die „die Polizei das ganze Jahr über bekämpft und nicht nur zur WM“. Laut Kriminalstatistik hat es 41 Fälle von Menschenhandel im Jahr 2005 gegeben. Der Großteil davon sind Frauen aus Osteuropa. „Die Dunkelziffer ist allerdings weitaus höher“, sagte Körting. Der Druck der Zuhälter auf die Frauen sei enorm. „Die Opfer sind traumatisiert und eingeschüchtert. Zudem haben sie Angst vor der Abschiebung.“ Das mache die Ermittlungsarbeit so schwierig.

Deshalb erhoffe man sich viel von der Kampagne. Die Plakate auf den Herrenklos sollen provozieren: „Verantwortung kann man nicht in Zentimetern messen“, steht auf dem roten Pfeil, der über dem Urinal nach unten zeigt. „Vor allem Freier sollen sensibilisiert werden“, sagt „Ban Ying“-Sprecherin Nivedita Prasad. Wer häufig zu Prostituierten gehe und merke, dass sie zu ihren „Dienstleistungen“ gezwungen würden, solle Anzeige erstatten oder sich an die Organisation wenden. Die Kampagne läuft das ganze Jahr über – allerdings nicht zur WM. „Wir wollen vor allem Freier aus Berlin erreichen.“ Die WM–Touristen seien nicht die richtige Zielgruppe.tabu

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