Kampf gegen Arbeitslosigkeit : Ein Jobcenter für Jugendliche

Berlins Arbeitsvermittlung für die 15- bis 25-Jährigen wird reformiert. Das Ziel: Keiner soll verloren gehen. Noch hat Berlin die höchste Quote bei der Jugendarbeitslosigkeit. Aber Marzahn-Hellersdorf macht vor, wie es besser werden kann.

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Näher ran. Die Arbeitsvermittlung für Jugendliche soll besser werden. Foto: Imago
Näher ran. Die Arbeitsvermittlung für Jugendliche soll besser werden. Foto: ImagoFoto: imago stock&people

Sie sind zwischen 15 und 25 und bevölkern die Jobcenter: In keinem anderen Bundesland sind anteilig so viele Jugendliche arbeitslos wie in Berlin. Über 17.000 sind es. Die Quote liegt bei 10,7 Prozent und ist damit doppelt so hoch wie im Bundesschnitt. Das soll jetzt anders werden, und darum soll noch 2014 der Startschuss für eine „Jugendberufsagentur“ fallen. Nach Informationen des Tagesspiegels werden der Senat und die Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg am 22. Januar ihre ersten Pläne präsentieren.
„Keiner soll verloren gehen“, lautet das politische Ziel. Und deshalb sollen Arbeitsagentur, Jobcenter und Jugendämter künftig enger zusammenrücken. Eine Arbeitsgruppe der Senatsverwaltungen für Jugend, Soziales und Arbeit hat inzwischen mit Fachleuten der Arbeitsagentur Umsetzungsvorschläge diskutiert. Vorbild ist Hamburg, das eine Jugendberufsagentur mit sieben Standorten hat. Im wesentlich größeren Berlin könnte es darauf hinauslaufen, dass sich in jedem Bezirk eine Anlaufstelle befindet, es somit zwölf Standorte geben könnte. „Entscheidend ist, dass die Jugendlichen unkompliziert und schnell Hilfe finden“, formuliert ein Arbeitsvermittler die Richtung.


Wie es künftig ablaufen könnte, macht Marzahn-Hellersdorf vor. Bürgermeister Stefan Komoß (SPD) hatte vor zwei Jahren das Ziel vorgegeben, das bis 2016 jeder Jugendliche im Bezirk Ausbildung und Arbeit finden solle. Inzwischen ist die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren von 2650 auf 1750, also um ein Drittel, gesunken, was die Arbeitsagentur nicht nur auf die wirtschaftliche Gesamtentwicklung, sondern eben auch auf den „Masterplan“ des Bezirks zurückführt.

Am "MatchPoint" können nicht nur Schüler Praktikumsplätze finden

Zu diesem Masterplan gehört, dass Jugendliche, die Arbeitslosengeld beantragen, gar nicht erst nach Hause geschickt werden, sondern sofort eine ausführliche Beratung erhalten („Work first“). Zudem gibt es – in Absprache mit den Eltern – ein Berufswahlcoaching in den Sekundarschulen, damit die Acht- und Neuntklässler eine Vorstellung von verschiedenen Berufsfeldern bekommen und nicht die falsche Ausbildung beginnen. Und es gibt im Bezirksamt den „MatchPoint“, eine Anlaufstelle, die Schüler und Jugendliche in Unternehmen vermittelt. Die Mitarbeiter des „MatchPoint“ gehen auch in Schulen und aquirieren Firmen wie das Marzahner Autohaus Koch, die bereit sind, viele Praktika und Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.
Über den Ansatz in Marzahn-Hellersdorf geht die Jugendberufsagentur insofern hinaus, als auch die Jugendämter mit einbezogen werden. Dies wirft datenschutzrechliche Fragen auf, die noch zu klären sind. Zu den Verfechtern der Jugendberufsagentur gehörte von Anfang an die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Stefanie Remlinger. Sie hatte einen entsprechenden Antrag ins Abgeordnetenhaus eingebracht und damit den Senat unter Druck gesetzt. Auch im schwarz-roten Koalitionsvertrag auf Bundesebene spielt das Thema eine Rolle. In Hamburg, das die Entwicklung anführt, hatte der Regierende Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), die Gründung der Jugendberufsagentur veranlass. In der Hansestadt liegt die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen bei 5,4 Prozent, also im Bundesschnitt.

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