Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit : Grüne wollen Arbeitsagentur für Jugendliche

Nirgendwo gibt es so viele junge Erwerbslose wie in der Hauptstadt. Auch bei den Ausbildungsabbrechern liegt Berlin weit vorne. Die Grünen sehen viele Versäumnisse in der Arbeitsmarktpolitik des Senats.

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Die Jugendarbeitslosigkeit in Berlin ist hoch. Viele Jugendliche fallen durchs Raster der Arbeitsagentur und der Jobcenter.
Die Jugendarbeitslosigkeit in Berlin ist hoch. Viele Jugendliche fallen durchs Raster der Arbeitsagentur und der Jobcenter.Foto: dpa

In keinem anderen Bundesland haben Jugendliche es so schwer wie in Berlin, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Quote der Erwerbslosen unter 25 Jahren liegt hier bei 13,3 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt, der 5,9 Prozent erreicht.

Auch bei den Ausbildungsabbrechern liegt Berlin weit oben. Genau ein Drittel der Jugendlichen beendet eine angefangene Ausbildung nicht. Für die arbeitsmarkt- und ausbildungspolitischen Expertinnen der Grünen, Stefanie Remlinger und Sabine Bangert, sind diese Zahlen ein Indiz dafür, dass beim Übergang von der Schule in den Beruf in Berlin etliches falsch läuft. „Es ist ein Riesenproblem, das massiven sozialen Sprengstoff liefert“, sagte Bangert. Ihren Angaben zufolge sind rund 20 000 Jugendliche derzeit arbeitslos, bis zu 15 000 Jugendliche in verschiedenen Übergangsmaßnahmen untergebracht und weitere 10 000 fallen durch jede Statistik, da sie entweder von ihren Familien unterstützt werden oder von Schwarzarbeit leben. „Wir können es uns nicht leisten, diese Jugendlichen zu verlieren“, sagt Bangert auch in Hinblick auf den künftigen Fachkräftemangel in der Region.

Jugendliche bräuchten andere Hilfe als Erwachsene, sagt ihre Fraktionskollegin Stefanie Remlinger. Bisher seien für sie vom Jugendamt bis zum Jobcenter oder Arbeitsagentur verschiedene Behörden zuständig. Sinnvoll sei es, eine Anlaufstelle einzurichten, eine Jugendberufsagentur. Laut Remlinger muss die Unterstützung der Jugendlichen bereits frühzeitig in der Schule einsetzen. Dabei müssen auch datenschutzrechtliche Probleme geklärt werden, um Jugendliche auch nach ihrem Ausscheiden aus der Schule zu erfassen.

Eine Jugendberufsagentur gibt es bereits in Hamburg. Der Chef der Regionaldirektion für Arbeit, Dieter Wagon, hat die Einrichtung einer solchen Behörde in Berlin ebenfalls schon ins Gespräch gebracht. Die Grünen bringen jetzt einen Antrag im Abgeordnetenhaus ein. In diesem fordern sie den Senat auf, mit den Bezirken ein Konzept für eine Agentur zu entwickeln.

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