Kampf um den Osten : Linke wirbt um ihre Stammwählerschaft

Die Linke verliert ihre Stammwähler an die SPD. Spitzenkandidat Harald Wolf konzentriert sich deshalb im Wahlkampf auf den Osten Berlins. Die Linke setzt auf Rot-Rot – trotz allem.

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Konflikte mit der SPD sind für Wolf kein Grund, an dem Bündnis zu zweifeln. Foto: dpa
Konflikte mit der SPD sind für Wolf kein Grund, an dem Bündnis zu zweifeln.Foto: dpa

Die Linke will den Osten Berlins zurückerobern. Noch in den Sommerferien wird ihr Spitzenkandidat, der Wirtschaftssenator Harald Wolf, von Pankow über Marzahn-Hellersdorf bis Treptow-Köpenick durch die Bezirke tingeln. „Die Leute sind ja da“, sagt er. Die Wählerklientel der Linken reise nicht auf die Malediven.

Das soll der Auftakt für einen „verstärkten Basis-Wahlkampf im Osten“ werden, kündigt Wolf an. Er weiß, dass seine Partei auch in den Hochburgen schwächelt. Das liege daran, dass manche Anhänger der Linken die Grünen-Spitzenfrau Renate Künast als Regierende Bürgermeisterin verhindern wollten. „Die denken, dann wähle ich lieber SPD, damit Klaus Wowereit bleibt.“

Wahlforscher bestätigen den Trend. Seit April legte die SPD in den östlichen Bezirken laut Infratest dimap kräftig zu und liegt dort mit 32 Prozent weit vorn. Zulasten der Linken, die im Osten mit 24 Prozent nur noch zweiter Sieger ist. Die Grünen sind auf 18 Prozent abgerutscht. „Es gibt keinen positiven Künast-Faktor, der den Grünen zugute kommt“, spottet Wolf. Solche Schadenfreude stärkt aber die eigenen Reihen nicht. Deshalb will die Linke jene Wählerschichten wieder erreichen, die ihr bei der Bundestagswahl 2009 in Berlin zu einem prächtigen Ergebnis von 20,2 Prozent verhalfen. Im Ostteil waren es 33,8 Prozent. „Wir müssen wieder die Hartz- IV-Empfänger und andere sozial Marginalisierte mobilisieren“, fordert Wolf. Etwa mit Aktionen vor den Job-Centern. Bei einer bundesweiten Wahl gegen Schwarz-Gelb sei das natürlich leichter als bei der Abgeordnetenhauswahl.

Das Ziel ist klar: Nach Schließung der Wahllokale am 18. September will die Linke nicht gleich aus dem Rennen um eine Regierungsbeteiligung ausscheiden. Es soll im Ansatz verhindert werden, dass Grüne oder SPD den Christdemokraten schöne Augen machen. Das funktioniert aber nur, wenn es für Rot-Rot wieder eine rechnerische Mehrheit gibt. Als sichere Blockade gegen eine Regierungsbeteiligung der Union.

Wolf ist optimistisch, dass der Linken die dafür notwendige Aufholjagd gelingen kann. Das klingt verwegen. Doch angesichts der Tatsache, dass an der Wahl im Herbst 35 Parteien teilnehmen und die FDP vielleicht aus dem Landesparlament fällt, könnte der Spitzenkandidat der Linken am Ende recht behalten. Weil nämlich – wegen der vielen verlorenen Stimmen – 42 bis 44 Prozent für eine Regierungsmehrheit reichen. Zur Erinnerung: 2006 kam Rot-Rot zusammen auf 44,2 Prozent der Zweitstimmen. Das reichte knapp, um die Grünen auszubooten.

Die Berliner Spitzenkandidaten im Porträt
Die Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl im Herbst stehen fest. Unsere Fotostrecke wirft einen Blick auf Stärken und Schwächen der vier, lässt Erfolge und Misserfolge Revue passieren und ruft markante Zitate ins Gedächtnis. Foto: dapd, Montage: TspWeitere Bilder anzeigen
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„Ich halte das auch 2011 für eine lösbare Aufgabe“, sagt Wolf. Zumal er „relativ sicher“ ist, dass die SPD mit Wowereit die Abgeordnetenhauswahl gewinnen wird. Der Grünen-Hype sei bundesweit vorbei. „Und Kanzlerin Merkel ist gerade dabei, mit ihrer neuen Energiepolitik die Grünen zu erwürgen.“ Eine Partei, die nach Einschätzung Wolfs jedenfalls in Berlin „kein verlässlicher, sondern ein unberechenbarer Koalitionspartner für die SPD wäre“. Immerhin räumt der Linken-Politiker ein, dass es an der SPD-Basis ein starkes Verlangen nach Rot-Grün gebe. „Aber war das 2006 nicht auch so?“ Nein, Rot-Rot III sei kein Selbstläufer, sagt Wolf. „Aber wir haben Chancen.“ Die aktuellen Konflikte mit der SPD sind für ihn kein Grund, an dem seit 2002 regierenden Bündnis zu zweifeln. Ein solcher Streit sei doch normal im Wahlkampf. Sollte es doch nicht reichen, will er sich „lustvoll auf die Oppositionsbank setzen“.

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