Kampf um die Kronen : Initiative kämpft um Bäume am Gendarmenmarkt

Der Berliner Senat plant ab 2011 die Umgestaltung des Gendarmenmarktes. Gegen die Abholzung von 140 Bäumen auf dem repräsentativen und bei Touristen beliebten Platz formiert sich Widerstand.

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Rigorose Umgestaltung oder behutsame Instandsetzung - diese Frage beschäftigte Berlin in den vergangenen Wochen.Alle Bilder anzeigen
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05.08.2010 19:42Rigorose Umgestaltung oder behutsame Instandsetzung - diese Frage beschäftigte Berlin in den vergangenen Wochen.

Schon in wenigen Tagen und mit „mindestens wöchentlicher Unterstützung durch prominente Berliner“ will der Förderverein für den Gendarmenmarkt seine Unterschriftenaktion für die Bewahrung des Platzes in seiner jetzigen Gestalt starten. Wie berichtet, will der Verein vor allem die 140 Kugelahornbäume retten, die in den 1980er Jahren im östlichen Teil des Platzes gepflanzt wurden und nach Meinung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher abgeholzt werden sollen, um den Blick auf die Dome zu erleichtern.

Der Förderverein verfolgt mit gelindem Entsetzen, dass die Stadtentwicklungsverwaltung mit diesem Vorhaben massiv gegen Empfehlungen von Klimaforschern und Stadtplanern verstößt. So raten Experten dringend, das städtische Grün vor allem in weitgehend versiegelten Bereichen zu bewahren, um Gluthitze über dem Steinboden zu verhindern. Eine ähnliche Empfehlung zeichnet sich auch für den „Stadtentwicklungsplan Klima“ ab, den der Senat zurzeit mit großem Aufwand und externer Beratung erarbeiten lässt. Denn Steinböden werden nicht nur tagsüber besonders heiß, sondern strahlen auch nachts noch lange Hitze ab wie Kachelöfen, während nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes (DWD) selbst halb vertrocknete Grünflächen abends sehr schnell abkühlen.

Frank Keidel, einer von zwei Vorsitzenden des Fördervereins, berichtet, dass während der jüngsten dreiwöchigen Hitzewelle „nie genug Bänke für die Leute da waren, die unter den Bäumen verweilen wollten“. Dass die Kronen der Ahorne den Passanten fast bis auf Kopfhöhe herabhängen, liegt aus seiner Sicht an der „seit zehn bis zwölf Jahren“ vernachlässigten Pflege – was Keidel dem dafür verantwortlichen und von Geldnot geplagten Bezirksamt Mitte allerdings nicht zum Vorwurf macht.

Die Stadtentwicklungsverwaltung bestätigte am Montag auf Nachfrage, dass die Bäume abgeholzt werden sollen. Zu niedrig und zu sehr Wald statt Weltstadtplatz, lautet die Begründung. Wie gut Weite und freie Sicht einer großstädtischen Fläche inmitten ansehnlicher Gebäude tun können, zeige sich beispielsweise am Bebelplatz. Im Online-Forum des Tagesspiegels kritisieren Dutzende Leser die Pläne. Falls die Bäume tatsächlich gefällt werden, prophezeit Keidel: „Wir werden statt der Kugelahorne dann ein Meer von Schirmen haben, unter denen sich die Hitze staut.“ Nach seiner Auskunft hat sich bisher lediglich die Französische Domkirchengemeinde in einem Brief an die Stadtentwicklungssenatorin für die „behutsame Wegnahme“ der Kugelahorne am Nordrand des Platzes ausgesprochen. Einig sind sich alle Beteiligten immerhin, dass die geplanten Bodenreparaturen die Chance bieten, elektrische Leitungen für Weihnachtsmarkt und Classic Open Air unterirdisch zu verlegen. Auch die Beseitigung der stolperträchtigen Stufen auf dem Gendarmenmarkt gilt als sinnvoll. Rund sechs Millionen Euro sollen die Arbeiten insgesamt kosten, 90 Prozent des Geldes steuert die EU bei. 2011 soll es losgehen.

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