• Kampfhund-Attacke: Zweieinhalb Monate Strafe - Sozialhilfeempfängerin muss außerdem monatlich zahlen

Berlin : Kampfhund-Attacke: Zweieinhalb Monate Strafe - Sozialhilfeempfängerin muss außerdem monatlich zahlen

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Eine der spektakulärsten Kampfhund-Attacken in Berlin ist jetzt mit einer Freiheitsstrafe für die damalige Halterin gesühnt worden. Eine Amtsrichterin verhängte eine Bewährungsstrafe von zweieinhalb Monaten gegen die Sozialhilfeempfängerin. Außerdem muss die Frau innerhalb der zweijährigen Bewährungsfrist monatlich mindestens 50 Mark an das Opfer zahlen. Der 44jährige Mann war, wie berichtet, am 29. September 1998 auf der Zossener Straße aufs schwerste am Bein verletzt worden.

Ohne ersichtlichen Anlass hatte sich der Rottweiler-Pitbull-Mischling in dem Mann verbissen, der mehrmals operiert werden musste. "Ihm fehlt die Wade", beschrieb jetzt ein Prozessbeteiligter die Verletzungen. Ein Taxifahrer sagte als Zeuge aus, er habe den Eindruck gehabt, der Hund ziehe den um Hilfe schreienden Mann regelrecht über die Straße. Das Tier war damals erst nach einer halben Stunde am Waterloo-Ufer von einer Polizeistreife eingefangen worden. Dabei ließ es sich ohne weiteres an eine Leine legen. Die Neuköllner Besitzerin konnte zunächst nicht ermittelt werden, weil der Hund keine Steuermarke trug.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von 3150 Mark gegen die Frau beantragt, die seit zehn Jahren als arbeitslose Verkäuferin registriert ist. Für die Freiheitsstrafe war neben der Schwere der Verletzungen womöglich auch das eher gleichgültige Auftreten der Frau vor Gericht maßgeblich. "Was soll ich denn machen, wenn der Hund wegläuft", sagte sie. Sie habe das Tier nicht halten können.

Das wurde nun als fahrlässige Körperverletzung gewertet. Dass die Gerichte hierbei auch auf Abschreckung setzen, hatte das Landgericht in diesem Fall bereits in einer Beschwerdeentscheidung klar gemacht. Bei einer Verurteilung sei der Schwere der Verletzungen "neben generalpräventiven Aspekten" erhebliches Gewicht beizumessen, erklärte das Gericht. Generalprävention heißt: Allgemeine Abschreckung. Der Hund wurde 1998 an einen Kampfhund-Betreuungsverein abgegeben. Was dann aus ihm wurde, ist unbekannt.

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