Berlin : Kampfhund-Debatte: Bissfeste Hundeverordnung könnte am fehlenden Personal scheitern

Ulrich Zawatka-Gerlach

Mit einem flauen Gefühl im Magen sehen Polizei und Bezirksämter dem Kampf gegen die Kampfhunde entgegen. Es mangelt nicht an Gesetzen und Vorschriften: Die bissfeste Hundeverordnung, die der Senat am Dienstag beschließen wird, bildet mit dem Grünanlagengesetz, dem Sicherheits- und Ordnungsgesetz und dem Allgemeinen Zuständigkeitsgesetz einen schönen Rahmen für die Kampagne gegen Pitbulls oder Staffordshire Terrier. Aber es fehlt gut ausgerüstetes und qualifiziertes Personal, um Meldepflicht, Leinen- und Maulkorbzwang durchzusetzen.

Als Ordnungsbehörde zuständig sind die Bezirksämter. "Aber auf eine flächendeckende Überwachung sind wir nicht vorbereitet", sagt der Bezirksbürgermeister von Mitte, Joachim Zeller. "Wir können doch nicht mit Kita-Erzieherinnen, die im Personalüberhang stehen, Kampfhunde einfangen." Wenigstens für eine Übergangszeit müsse die Polizei aushelfen. Die hat auch schon "angefangen, sich etwas auszudenken", bestätigte gestern ein Polizeisprecher. Vor allem die Streifen- und Kontaktbereichsbeamten stünden ab Mittwoch in der Pflicht.

In den Dienststellen wird schon heftig diskutiert, wie man einem Kampfhund ohne Maulkorb begegnen könnte. "Sollen wir ihn mit gezogener Waffe am Stachelhalsband in den Funkwagen zerren und zum Tierheim fahren oder nur eine Anzeige schreiben und ans bezirkliche Ordnungsamt weiterleiten?", fragte gestern ein Abschnittsleiter, der anonym bleiben will. Mit einer solchen, auch für Polizisten gefährlichen Situation, sei ein Bezirksamts-Mitarbeiter ohne Uniform, Waffe und Ausbildung schlichtweg überfordert, meinte der Abschnittsleiter. "Der Kampfhundehalter wird sagen: du kannst mich Onkel nennen."

Der Hauptpersonalrats-Vorsitzende Dieter Klang glaubt auch nicht, dass sich in den Bezirken Überhangkräfte freiwillig für diese Aufgabe melden. Und selbst wenn: "Sie wären, ohne spezielle Ausrüstung und Ausbildung, ungeeignet." Klaus Eisenreich, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, wies gestern darauf hin, dass die amtlichen Hundefänger in Berlin, bisher für das Landeseinwohneramt tätig, Anfang 2001 den Bezirken zugeordnet werden. Es gebe allerdings nur drei. Die Politiker handelten unredlich, wenn sie jetzt suggerierten, die personell ausgedünnte Polizei oder die bezirklichen Ordnungsbehörden könnten wirksam gegen leinen- und maulkorblose Kampfhunde vorgehen. Auch die Freiwillige Polizeireserve sei dazu nicht in der Lage, sagte Eisenreich. Der Tempelhofer Bezirksbürgermeister Dieter Hapel hält den Sicherheits- und Ordnungsdienst in Frankfurt/Main für ein Orientierungsmodell. Mit ausgebildeten, uniformierten, teilweise auch bewaffneten und motorisierten Mitarbeitern, die wilde Müllkippen aufstöbern, die Drogenszene beobachten, Knöllchen ausstellen, aber auch für Kampfhunde zuständig sind. In Berlin hätten die schlechten Erfahrungen mit dem Umweltstreifendienst gezeigt, dass es nichts bringe, überzählige Bezirksmitarbeiter irgendwo einzusetzen. Am Montag befasst sich der Rat der Bürgermeister in einer Sondersitzung mit der Hundeverordnung.

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