Berlin : Kampfhunde: Beim Planschen bleibt der Maulkorb zu Hause

Isabel Ozores

Angenehm ruhig ist es am Grunewaldsee. Von Kampfhunden - noch - keine Spur. Da läuft auf einmal ein Mastiff vorbei: Vorschriftsmäßig, mit Maulkorb. Eine Leine ist nicht notwendig. Denn am Grunewaldsee ist ein Auslaufgebiet. Nora Otte kommt oft hierhin, als Spaziergängerin. Kampfhunde sieht sie nur vereinzelt. Dass sie oft ohne Maulkorb unterwegs sind, stört sie nicht im Geringsten. Ähnlicher Meinung ist die Besitzerin von "Shily", einem Staffordshire Bullterrier. Ihr ist es lieber, anonym zu bleiben. Am Grunewaldsee wurde sie schon oft "angemacht", weil ihr Hund ohne Maulkorb herumlief. Deswegen geht sie meistens abends oder früh morgens spazieren. Wenn viele Kinder am Strand baden, wechselt sie entweder an einen anderen Strand- oder sie hält sich an die Verordnung. Auch, weil ständig Polizei unterwegs ist. Dass bei Nichteinhaltung der Kampfhundverordnung bis zu 10 000 Mark Strafe drohen, ist ihr durchaus bewusst. Aber bis jetzt wurde sie noch nicht erwischt. Die wenigen Kampfhunde, die sie sieht, sind meistens die gleichen, friedlichen Tiere. Sie würde sich für jeden Halter die Möglichkeit zur freien Entscheidung wünschen, ob sein Hund einen Maulkorb trägt oder nicht. Er sollte schließlich wissen, ob sein Hund aggressiv ist. Mit dieser Meinung steht sie keineswegs allein da, andere Spaziergänger schließen sich dem an. "Wer Angst vor Hunden hat, sollte nicht hierher kommen." Der Grunewaldsee sei allgemein als "Hundesee" bekannt.

Doch nicht alle sehen es gerne, wenn die Hundeverordnung nicht eingehalten wird. So äußert sich eine Stuttgarterin, die mit Hund und Kind in Berlin zu Besuch ist, zwar positiv über die Stimmung im Auslaufgebiet. Dass sie vor wenigen Tagen etwa zwanzig Kampfhunde gesehen hat, nur einer aber einen Maulkorb trug, findet sie jedoch alles andere als beruhigend. Wenn Kinder und Kampfhunde zusammentreffen, hält sie die Luft an. "Passieren kann nämlich immer etwas." Und sobald etwas passiert, wird sich auch hier die Stimmung verändern, sagt die Besucherin.

Noch ein Kampfhund ist am See anzutreffen. "Laila" trägt einen Maulkorb. Ihre Besitzerin Paula Gaede ist extra aus Friedrichshain gekommen, damit ihre Hündin freien Auslauf hat. Sie hält sich an die Kampfhundverordnung und ärgert sich, wenn jemand das nicht tut. Obwohl sie es natürlich verstehen kann. Dass Laila einen Maulkorb tragen muss, hält sie nicht für sinnvoll. "Das Sozialverhalten der Tiere bleibt bei der neuen Verordnung auf der Strecke. An der Leine können sie ihre Konflikte nicht mehr untereinander lösen und werden aggressiv." Vor allem hat Paula Gaede Angst, dass alle Kampfhunde verboten werden, weil sich die Halter nicht an die Verordnung halten.

Das kann Polizeisprecher Topp nicht bestätigen. Für ihn ist die Lage zur Zeit entspannt. Es gibt kaum Zwischenfälle, wo die Polizei eingreifen muss. Die meisten Halter nehmen die Verordnung ernst, zu einem Kampfhund-Verbot wird es also kaum kommen. In einem Jahr könnte es aber schon wieder anders aussehen. Es sei gut möglich, dass in der Zwischenheit die Verordnung in Vergessenheit gerate.

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