Berlin : Kampfhunde: Bereits über 20 Hundeanzeigen bei der Polizei

Werner Schmidt

Seit gestern gilt sie nun, die neue Hundeverordnung, aber noch sind nicht alle dafür zuständigen Behörden optimal ausgestattet, um sich mit den auf dem Index stehenden Hunderassen auch erfolgreich "anzulegen". Bei der Polizei beispielsweise fehlte für die eilends auf die Beine gestellten Interventionsteams gestern noch die Schutzkleidung. Mit deren Lieferung wird erst heute gerechnet. Dafür übergab die Deutsche Polizeigewerkschaft gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Rottweiler-Klub gestern Nachmittag neun Ausrüstungen. "Leihweise, bis die Polizei ihre Schutzkleidung erhält. Geschenke dürfen von der Behörde ja nicht angenommen werden", sagte der Berliner Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rolf Taßler.

Allerdings gab es gestern und in der vorausgegangen Nacht bereits 23 Hundeeinsätze. Dabei wurden am Mittwochabend an der Köthener Straße in Marzahn eine American Staffordshire-Terrier-Hündin und deren acht Welpen nach der Hundeverordnung beschlagnahmt. Nach einer Anzeige wegen Lärmbelästigung durch Hundegebell war die Polizei in die Wohnung eingedrungen. Da zuvor niemand auf das Klingeln reagiert hatte, war vermutet worden, dass sich in der Wohnung möglicherweise ein Unglücksfall ereignet hatte. In den völlig verwahrlosten Räumen seien die Tiere gefunden worden. Da die Tiere weder artgerecht gehalten worden seien und offensichtlich aus einer illegalen Zucht stammten, wurden sie der 19-jährigen Halterin weggenommen. Ein weiterer vermutlich ausgesetzter Staffordshire-Terrier wurde gestern früh am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg aufgegriffen. Das Tier trug zwar noch ein Halsband, aber keine Marke.

Ausgerüstet mit Fangschlinge, Leinen und Maulkörben fahren die Interventionsteams der Polizei nicht nur Streife, bei der sie ihr besonderes Augenmerk auf Plätze richten, an denen sich erfahrungsgemäß Halter von Kampfhunden treffen. Die Teams, zu denen erfahrene Hundeführer gehören, können auch von normalen Funkwagenstreifen angefordert werden, wenn diese sich einem gefährlichen Hund mit uneinsichtigem Halter gegenübersehen.

Ausgestattet mit einem Merkblatt, in dem die Richtlinien der neuen Hundeverordnung stehen und Bilder der katalogisierten Rassen abgebildet sind, werden die Teams losgeschickt. Zur weiteren Ausrüstung gehören eine bisshemmende Hose, um vor Verletzungen durch Tiere zu schützen, die mit ihren Kiefern bis zu einer Tonne Beißkraft aufbringen können, und ein Armschutz. Eingefange oder eingezogene Tiere werden in speziellen Anhängern transportiert, in denen bisher die Diensthunde der Polizei zum Einsatz gefahren wurden. Maximal vier Tiere können in dem Hänger untergebracht werden.

Trotz des Merkblattes mit Bildern der Hunderassen besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass Beamte plötzlich Hunden gegenüberstehen, die sie nicht zweifelsfrei einordnen können. In solchen Fällen wird dann ein Veterinär konsultiert, der die Rasse bestimmt. Auf jeden Fall werde der Beamte alles notwendige tun, um eine eventuelle Gefahr abzuwenden, sagte Polizeidirektor Harald Kussack.

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