Berlin : Kampfhunde: Ende der Schonzeit für Pitbull und Co.

Werner Schmidt

Die Schonzeit ist vorbei. Rigoros geht die Polizei gegen uneinsichtige Hundebesitzer und gefährliche Hunde vor. Rund 2000 Mal wurde die Polizei bisher aus der Bevölkerung über den Notruf 110 wegen Verstößen gegen die Hundeverordnung alarmiert, 330 Anzeigen gegen Hundehalter waren die Folge, sagt Harald Kussack, der bei der Polizei für die Einhaltung der Hundeverordnung zuständig ist. Die Anfang Juli eingeführte neue Hundeverordnung gilt als Erfolg. "Nicht alle Einsätze sind konfliktfrei", sagt Kussack. Zuweilen werden Hundehalter auch gewalttätig, meist seien es allerdings verbale Auseinandersetzungen - "und wir setzen uns durch."

Dass die Polizisten sich in jedem Fall durchsetzen, musste zum Beispiel am 29. September ein Mann aus Lichtenberg erfahren. Ein Polizist, der nicht im Dienst war, hatte sich ausgewiesen und den 24-jährigen Hundehalter aufgefordert, sein Tier anzuleinen und den vorgeschriebenen Maulkorb umzulegen. Der Mann hetzte daraufhin die Bordeauxdogge - die Rasse steht auf der Kampfhundeliste - auf den Beamten, die sich im Arm des Polizisten festbiss. Gleichzeitig trat der Mann dem Polizisten ins Gesicht.

Anschließend entfernte sich der rabiate Hundefreund in Richtung Normannenstraße. Aber der Mann entkam den Polizisten nur für kurze Zeit. Nach vier Tagen war der Angreifer identifiziert und wurde am Abend des 3. Oktober vorübergehend festgenommen. Sein Hund wurde eingezogen.

Dies ist einer von drei Vorfällen, die die Polizei als "herausragende Einsätze" registriert hat. Ein weiterer derartiger Vorfall ereignete sich am 27. September in Pankow, als Polizeibeamte in Zivil im Bürgerpark einen Hundehalter aufforderten, seinen "Dogo Argentino" anzuleinen. Auch dieser Halter reagierte aggressiv und weigerte sich. Der Hund versuchte, die Polizisten zu beißen. Als ein Beamter nun seine Dienstwaffe zog, versuchte der Hundebesitzer sie ihm zu entreißen. Der Mann wurde festgenommen, sein Hund dagegen trollte sich allein Richtung Wollankstraße. Dort wurde er wenig später in einem Hinterhof aufgespürt und erschossen.

Pro Stunde ein Notruf

Fast in jeder Stunde registrierte die Polizei in Berlin einen Notruf unter der Nummer 110 wegen Verstößen gegen die Hundeverordnung. Aber - das betont der "Kampfhundexperte" Harald Kussack auch: "Rein statistisch hatten wir einen herausragenden Einsatz pro Monat."

Der vorerst letzte Vorfall ereignete sich, wie berichtet, am Montag in Friedrichshain. Ein Rottweiler-Mischling beschützte seinen Halter, der auf der Straße seinen Rausch ausschlief. Polizisten, die dem Mann zu Hilfe kommen wollten, wurden von dem Hund weggebissen. Dabei wurde ein Beamter verletzt. Der Hund wurde schließlich erschossen, nachdem er auch im Streifenwagen noch um sich gebissen hatte.

Gestern räumte ein Polizeibeamter ein, das Tier habe lediglich seinen Herrn geschützt und sich somit artgerecht verhalten. Rottweiler gehören auch nicht zu den zwölf Hunderassen, für die Leinen- und Maulkorbzwang besteht.

Große Mehrzahl gesetzestreu

Ihrer Meldepflicht im Rahmen der Hundeverordnung kamen die meisten Hundehalter nach. Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales geht von rund 5000 Kampfhunden in der Stadt aus. 4295 Halter haben ihre Tiere angemeldet, 1384 haben die grüne Plakette erhalten, die belegt, dass der Halter die nötige Sachkunde nachgewiesen hat.

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