Berlin : Kampfhunde: Polizei stellte in zwei Wochen 88 Tiere in Berlin sicher

Jörn Hasselmann

Die Berliner Polizei geht scharf wie nie gegen Hunde vor. Seit dem Erlass der Hundeverordnung am 16. Juli wurden 824 Einsätze gefahren. Dabei wurden 76 Mal die Spezialisten der neuen "Interventionsteams" gerufen, um tobende Tiere einzufangen und ruhig zu stellen. 184 Hundehalter wurden angezeigt, weil sie ihre Kampfhunde ohne Maulkorb oder Leine laufen ließen. Ein Staffordshire-Terrier wurde von einem Beamten mit der Dienstwaffe erschossen, weil der Hund bei einem Verkehrsunfall verletzt worden war und nicht mehr zu bändigen war. 88 Hunde wurden sicher gestellt und ins Tierasyl gebracht.

Der letzte war "Booker" am Donnerstagnachmittag. Der Einsatz gegen den Pitbull-Terrier beschäftigte letztlich mehr als ein Dutzend Polizisten. Wie in einem Teil der gestrigen Ausgabe schon berichtet, hatte eine Streife um 14.10 Uhr in der Fehmarner Straße den Halter eines Kampfhundes aufgefordert, das Tier anzuleinen und ihm einen Maulkorb umzulegen. Der 25-Jährige habe sich jedoch geweigert, mit der Begründung, es sei eine Mischung aus Boxer und Golden Retriever, der keinen Maulkorb brauche. Auch seinen Ausweis wollte er nicht zeigen. Daraufhin holten die beiden Polizisten Verstärkung, unter anderem ein Interventionsteam. Unterdessen hatte sich die Stimmung auf der Fehmarner Straße aber derart aufgeschaukelt, dass etwa ein Dutzend Passanten die Polizisten bedrängten und versuchten, das Einfangen des zweieinhalbjährigen Hundes zu verhindern.

Der Halter selbst, schlug einem Beamten ins Gesicht, dem dabei zwei Zähne gebrochen wurden. Bei der Festnahme des 25-Jährigen sprühte ein Kampfhundsympathisant einem zweiten Polizisten Pfefferspray ins Gesicht. Nach ausgedehnten Rangeleien wurden insgesamt sechs Personen vorläufig festgenommen. Sie wurden nach Feststellung der Identität wieder entlassen, alle bekamen Anzeigen. Der Hund verbrachte den Abend im Polizeiabschnitt 15 in der Seeestraße und wurde am Freitag ins Tierheim gebracht. "Booker" ist nach Erkenntnissen des Amtsveterinärs eindeutig ein Pitbull-Terrier und kein Boxer-Mischling. Der Besitzer behauptet standhaft das Gegenteil. "Mein Booker ist kein Kampfhund", betonte er auch gegenüber dem Tagesspiegel.

Der Einsatz in Wedding sei geradezu exemplarisch für die Kampfhundszene, sagte ein Beamter gestern dem Tagesspiegel, "die sind uneinsichtig und unbelehrbar". "Das ist genau die Klientel, die wir mit der Hundeverordnung treffen wollen." Nach der tödlichen Attacke von Kampfhunden gegen einen sechsjährigen Jungen in Hamburg hatte Berlin Mitte Juli einen Leinen- und Maulkorbzwang gegen zwölf gefährliche Kampfhund-Rassen verhängt.

Nach Tagesspiegel-Informationen ist der Halter des Kampfhundes auch Anmelder einer für den 2. September in Berlin geplanten Pro-Hund-Demonstration. Diese soll als "Dog-Parade" um 15 Uhr von der Siegessäule zum Brandenburger Tor und zurück führen. Die Polizei bestätigte gestern eine derartige Anmeldung. Nach den Vorfällen in der Fehmarner Straße würde nun aber sehr genau geprüft, ob der 25-Jährige "als Veranstalter geeignet ist". Ein Verbot oder Auflagen für die Demonstration seien möglich.

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