Berlin : Kampfhunde: "Wo ist der Maulkorb?" - Auch in der Hasenheide kein freies Toben mehr

Cay Dobberke

Im Neuköllner Volkspark Hasenheide zeigte die neue Kampfhunde-Verordnung gestern bereits Wirkung: Während dort bisher Hunde aller Rassen oft frei herumliefen und deren Halter die Leinenzwang-Schilder ignorierten, war dort nun über Stunden hinweg kein einziges nicht angeleintes Tier zu entdecken. Anders war es nur im eingezäunten Hundeauslaufgebiet innerhalb des Parks (zumindest den Maulkorb müssen gefährliche Tiere aber auch dort tragen). Insgesamt sah man fast keine Kampfhunde. Trotzdem blieb die Verkäuferin der Imbissbude im Park skeptisch: "In ein paar Tagen ist alles wieder wie vorher."

Vielleicht auch nicht, denn die Senatsgesundheitsverwaltung kündigte "weitere Schwerpunktkontrollen" an. Die erste Aktion fand am Vormittag statt: Beamte der Veterinärämter bildeten mit Polizisten mehrere Gruppen. Auch Klaus-Peter Florian, der Sprecher von SPD-Gesundheitssenatorin Gabriele Schöttler, war dabei. "In unserem Team gab es keine Beanstandungen", berichtete er. Vielmehr sei "auffällig" gewesen, dass alle potenziell gefährlichen Tiere angeleint und mit Maulkörben versehen waren. Die Halter hätten wohl erkannt, "dass wir Ernst machen".

Auf dem nahen Hermannplatz stoppten die Kontrolleure dagegen einen Mann mit einem Kampfhund, der angeleint war, aber keinen Maulkorb trug. Die Personalien des Halters wurden für eine Anzeige notiert.

Mit den Vorschriften änderte sich auch die Haltung von Parkbesuchern gegenüber manchen Hundehaltern. "Dauernd werde ich angemotzt: Wo ist der Maulkorb für den Hund?", beklagte eine junge Frau. Ihre Hündin sieht einem Kampfhund ähnlich, gehört als American Bulldog aber vorerst nicht zur Liste gefährlicher Rassen.

Eine gewisse soziale Kontrolle existierte schon bisher. Eine junge Frau mit einem ungefährlichen Mischling erzählte, die Besitzer nicht angeleinter Kampfhunde würden nicht zuletzt von anderen Hundehaltern ermahnt. Auf dem parkeigenen Spielplatz gibt es nach den Worten von Sabrina Yilmaz, die mit ihren Kindern fast jeden Tag dort ist, keine Probleme mit Hunden.

Mitarbeiterinnen des Grünflächenamts sagten, bei nicht angeleinten Kampfhunden trauten sie sich nicht, einzugreifen. Bei anderen Rassen ermahne man jedoch achtlose Halter und nehme Beschimpfungen in Kauf: "Das geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus."

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