• Kampfhunde: Zurückbleiben! - Nach der Bahn erwägen auch BVG und S-Bahn ein Mitfahrverbot für Kampfhunde

Berlin : Kampfhunde: Zurückbleiben! - Nach der Bahn erwägen auch BVG und S-Bahn ein Mitfahrverbot für Kampfhunde

Jörn Hasselmann

Der Kampfhund darf in Berliner Bussen und Bahnen fahren, und er fährt sogar gratis. Noch. Denn neben der Deutschen Bahn will nun auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) die laxen Regelungen ändern. "Wir sind für schärfere Regelungen", sagte VBB-Sprecherin Ingrid Kudirka, diese würden dann für BVG, S-Bahn und die anderen Unternehmen in Brandenburg gelten. Einen Gesprächstermin für die Gespräche mit den Mitgliedsunternehmen gebe es aber noch nicht. Lieber wäre es dem VBB, wenn es bundesweite Regeln gebe. Das wäre dann einfacher: Kampfhunde, die verboten sind, müssen auch nicht mehr befördert werden. Noch scheut der VBB das Problem, den "Kampfhund" zu spezifizieren. "Was ist mit Mischlingen?", fragt Kudirka.

Die "große" Bahn ist da mutiger. Ab dem 1. September werden in Fernzügen keine Kampfhunde mehr befördert. Und die Bahn traut sich auch, die Rassen zu nennen: Pitbull, Bandog, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Tosa-Inu, Bullmastiff, Bullterrier, Dog Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastin Espanol, Mastino Napoletano und Rhodesian Ridgeback. Auch deren Kreuzungen dürfen nicht mehr mitfahren. Mit der Liste orientiert sich die Bahn an der bayerischen Verordnung. Auch der Berliner Fahrgastverband IGEB fordert ein Verbot von Kampfhunden in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Bahn will Kampfhunde auch aus Regionalzügen verbannen, eine Genehmigung der Länder steht allerdings noch aus. Da die Deutsche Bahn mit ihren Berlin-Brandenburger Zügen in den VBB integriert ist, könnte diese strikte Regelung vom VBB insgesamt übernommen werden. "Wir wären dann mit dabei", sagt Kudirka.

Noch sind die Bestimmungen lax, allerdings habe es nach Angaben des VBB auch noch keine "Vorfälle" gegeben. Die Beförderungsbedingungen sehen unter Paragraf 12 vor: "Hunde sind kurz an der Leine zu führen. Für Hunde, die nicht in geeigneten Behältern transportiert werden, ist ein beißsicherer Maulkorb mitzuführen." Wohlgemerkt: "mitzuführen", nicht umzubinden. Nur "Hunde, die Mitreisende gefährden können, müssen einen Maulkorb tragen. Den Weisungen des Betriebspersonals ist Folge zu leisten", heißt es abschließend. Offensichtlich hofft der VBB darauf, dass Tiere ihre Gefährlichkeit ankündigen, damit ihnen dann ein Maulkorb umgelegt werden kann. Weiterhin ist der Hund, auch ein Kampfhund, gratis zu befördern. Nur für den Zweit- und Dritthund muss beim VBB ein Normalfahrschein gelöst werden.

Die Bahn hatte übrigens schon am 22. Mai das Kampfhundbeförderungsverbot angekündigt, also vor dem jüngsten Todesbiss in Hamburg-Wilhelmsburg. Derzeit prüft die Bahn auch die rechtlichen Grundlagen für ein Kampfhundverbot in ihren Bahnhöfen. Mit dem Verbot reagiert die Bahn nach eigenen Angaben auf Beschwerden von Fahrgästen und Zugbegleitern. Diese fühlten sich immer mehr von Kampfhunden belästigt.

Die Bahn will ihre Zugbegleiter nun schulen, damit sie die Rassen mit Fahrverbot auch erkennen. Dazu werden Bildchen eingesetzt, die die Schaffner lernen müssen. So lernen die Kontrolleure in ihren regelmäßigen Fortbildungen auch die verschiedenen Fahrscheintypen. Weiterhin will der Konzern seine Schaffner auch psychologisch schulen. "Jeder Umgang mit Reisenden braucht Psychologie" - mit Kampfhundbesitzern sicher noch ein wenig mehr. "Die Schulung braucht etwas Zeit", sagte Wachowitz dem Tagesspiegel, deshalb führe man das Verbot erst am 1. September ein.

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