Kampfsport : Gastgeber wider Willen

Sportsenator Körting sieht keine Möglichkeit, das Kampfspektakel „Extreme Fighting“ in der Max-Schmeling-Halle zu verhindern. Die ersten größeren deutschen Live-Kämpfe fanden im Juni in Köln statt. Auch dort hatten Sport- und Innenpolitiker vergeblich versucht, die Veranstaltung zu unterbinden.

Tanja Buntrock,Anna Sauerbrey
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Hart im Geben. Bei Extremkämpfen wird schwer ausgeteilt, und das vor allem nach einer Regel: Schlag zu, wo du den Gegner triffst....

Ultimate Fighting, Extreme Fighting, Mixed Martial Arts (MMA), die Kampfsportmischung aus den USA hat viele Namen. Nun sollen MMA-Wettkämpfe auch in Berlin gezeigt werden. Im Dezember sollen in der Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg amerikanische und deutsche Kämpfer gegeneinander antreten – bereits jetzt wird das Ereignis großflächig auf Plakaten beworben.

Boxen, Kickboxen, Jiu-Jitsu, Ringen und Judo – all das wird vermischt in dieser Disziplin. „Eine Inszenierung brutaler Gewalt“, befand Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und kündigte an, die Veranstaltung verhindern zu wollen. Nun erklärte Körting am Montag im Innenausschuss, dass es keine rechtlichen Möglichkeiten gäbe, den Vertrag mit dem Pächter der Halle zu kündigen. Alternativ habe er den zuständigen Bezirk Pankow gebeten zu prüfen, ob es Möglichkeiten gibt, die Veranstaltung aus „ordnungsrechtlicher Sicht“ zu verbieten. Überprüft werden soll, ob die gezeigten Kämpfe gegen den „sittlichen Anstand“ verstoßen oder ob das allgemeine Ordnungsrecht (ASOG) verletzt werde – etwa, ob die Veranstaltung einen Straftatbestand erfüllt.

Die landeseigene Max-Schmeling-Halle wird seit 2007 von der Velomax GmbH bespielt, die einen Pacht- und Betreibervertrag mit der Stadt abgeschlossen hat und auch das Velodrom betreibt. An der GmbH ist die Stadt nicht beteiligt. Allerdings unterstützt der Senat die Betreiber in diesem Haushaltsjahr mit sechs Millionen Euro. Darin enthalten sind Ausgleichszahlungen für die Nutzung der beiden Hallen durch den Schul- und Vereinssport und Zuschüsse zur Deckung von Betriebsverlusten.

Sollte es bei Körtings jetziger Einschätzung bleiben, wäre Berlin schon die zweite deutsche Stadt, die vergeblich versucht, eine Extreme-Fighting-Veranstaltung zu verhindern. In den USA sind die Mixed Martial Arts bereits ein Millionengeschäft. 250 Millionen Dollar Umsatz machte die UFC, die größte amerikanische Liga, 2008. In diesem Jahr expandieren sowohl die UFC als auch die XFC, der Verband, der nun seine Kämpfer in Prenzlauer Berg antreten lässt, nach Deutschland. Marcus Wortmeier, der die Veranstaltungen der XFC in Deutschland organisiert, kündigte Veranstaltungen in weiteren deutschen Städten an, Verträge seien bereits geschlossen. „Das sind Sportveranstaltungen, gegen die es keine rechtliche Handhabe gibt“, sagte Wortmeier. Kleinere Kämpfe würden ohnehin schon häufig in deutschen Kampfsportschulen ausgetragen.

Die ersten größeren deutschen Livekämpfe fanden im Juni in Köln statt. Auch dort hatten Sport- und Innenpolitiker versucht, die Veranstaltung zu verhindern – vergeblich. Nur eine Altersbeschränkung auf Zuschauer über 18 Jahren ließ sich durchsetzen. Der Rat der Stadt Frankfurt, alarmiert durch die Kölner Ereignisse, fasste im Juli daraufhin den Beschluss, in der Stadt keine Extremkämpfe zu genehmigen. Ein Beschluss, gegen den sich Extreme-Fighting-Veranstalter allerdings rechtliche Schritte vorbehalten haben. Möglicherweise werden weitere Kommunen widerwillige Gastgeber werden.

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