Berlin : Kanadische Botschaft: Im Zeichen des Ahornblatts

Lars von Törne

Im Hotel Interconti brummt es wie in einem Bienenstock. Hunderte von Männern und Frauen schlendern suchend umher oder stehen in kleinen Gruppen an den Stehtischen und Büfetts, unterhalten sich angeregt und tauschen Visitenkarten aus. Jeder trägt an seinem Anzug ein buntes Schildchen. Darauf prangt neben dem kanadischen Ahornblatt und dem Namen ein Farbstreifen. Daran erkennt im Getümmel, wer ein potenzieller Geschäftspartner sein könnte: Dunkelblau für Luft- und Raumfahrt, Grün für Biotechnologie, Gelb für Bildung. "Networking Lunch Buffet", nennt sich die Veranstaltung, die die kanadische Botschaft gestern Mittag im Interconti veranstaltete: Ein großer, quirliger Basar zur Vertiefung der deutsch-kanadischen Wirtschaftsbeziehungen.

André Chevigny trägt einen roten Streifen am Jackett. Das steht für Bauwirtschaft. "Wir liefern seit Jahren Blockhäuser aus British Columbia nach Deutschland", erzählt der kanadische Unternehmer. "Jetzt wollen wir expandieren." Erste, Erfolg versprechende Gespräche habe er bereits am Büffet geführt. Chevigny ist einer von rund 260 kanadischen Unternehmern, die diese Woche an der Handelsmission "Team Canada" teilnehmen. Gemeinsam mit Premierminister Jean Chrétien und den Ministerpräsidenten der kandischen Bundesstaaten sind sie nach Europa gereist, um neue Geschäftskontakte zu knüpfen. Seit Sonntag sind sie in Berlin, am Dienstag geht es weiter nach München. Neben den großen Firmen wie Lufthansa, Rolls Royce oder Bombardier, die schon lange transatlantische Kontakte haben, kommen hier auch die kleinen mittelständischen Unternehmer zum Zug. So wie Ralf Zapke, Anlagenbauer aus Strausberg. "Ich will Kontakte knüpfen, um im nordamerikanischen Markt einzusteigen", sagt der Brandenburger Geschäftsmann, während er suchend im Raum umherguckt. Das hat der Böttcher Hans-Joachim Messerschmidt aus Neu Zittau schon geschafft. "Wir verkaufen unsere Barrique-Fässer an Weinbauern in British Columbia", erzählt er. "Jetzt will ich sehen, ob es noch weitere Kunden gibt."

Etwas skeptisch beäugt Herbert Venghaus den Trubel. "Hier den richtigen Gesprächspartner zu finden, ist ein Glücksspiel", sagt der Abteilungsleiter des Berliner Heinrich-Hertz-Instituts. Venghaus und sein Team entwickeln Computerchips. "Vielleicht lernen wir hier ein paar potenzielle Partner kennen, mit denen wir ins Geschäft kommen können." Und wirklich: Wenig später unterhält er sich angeregt mit einem Berufskollegen aus Kanada.

In der Vorhalle werben die ostdeutschen Bundesländer um Investoren. Berlin und Brandenburg präsentieren als "Gateway to new opportunities", als Tor zu neuen Möglichkeiten. Wolfram von Fritsch, Geschäftsführer der Werbeagentur "Partner für Berlin", freut sich über das große Interesse. "Alleine die Tatsache, dass so viele Unternehmer gekommen sind, zeigt, dass Berlin langsam als internationale Wirtschaftsmetropole ernst genommen wird." Da schrecke auch ein PDS-Wirtschaftssenator Gysi nicht ab: "Das hat keinen Einfluss auf unsere Geschäfte", ist sich auch Norbert Kalisch sicher. Er ist bei der Kanadischen Botschaft für Wirtschaft und Handel zuständig und erteilt der Behauptung vom "Investorenschreck" Gysi eine Abfuhr: "Wirtschaftsbeziehungen haben ihre eigene Logik."

Erster Spatenstich mit Mounties
Kanadas Premier eröffnet Botschaftsbaustelle am Leipziger Platz

Natürlich durften auch die "Mounties" nicht fehlen, die rotgewandeten kanadischen Bilderbuch-Polizisten. Vier von ihnen waren mit Premierminister Jean Chr¿tien nach Europa gereist. Am Montagmorgen begrüßten sie die Besucher eines kleinen Staatsaktes, der für Berlins künftige Innenstadt große Bedeutung hat: Mit dem ersten Spatenstich beginnen jetzt die mehrfach verschobenen Bauarbeiten für die kanadische Botschaft am Leipziger Platz. Chrétien ist derzeit mit der Wirtschaftsmission "Team Canada" in Europa unterwegs. Vor dem symbolischen Spatenstich betonte der Premier in einer kurzen Ansprache die Qualität der deutsch-kanadischen Beziehungen. Angesichts der Handelsmission, die heute mit der Unterzeichnung von rund 20 Wirtschaftsverträgen ihren Berliner Abschluss findet, kündigte er gestern an: "Das Beste kommt noch." Wowereit dankte den Kanadiern, dass sie für ihren Neubau, durch den auch eine öffentliche Passage führen soll, diesen historischen Ort gegenüber des Potsdamer Platzes gewählt haben. "In wenigen Jahren werden hier die Wunden des Kriegs nicht mehr sichtbar sein."

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