• "Kanal B" wird hausgemachte Kurzfilme, Musikvideos und Reportagen zeigen - für fünf Mark pro Kassette

Berlin : "Kanal B" wird hausgemachte Kurzfilme, Musikvideos und Reportagen zeigen - für fünf Mark pro Kassette

Martin Schlögl

Was soll man von Leuten halten, die ganz ungeniert ihr dreckigstes Lachen vor der Kamera präsentieren? Oder von Männern, die frei von der Leber weg über den Unterschied zwischen echten und unechten Männern philosophieren? Nun, sie alle sind Protagonisten des ersten (und einzigen) Videomagazins in Berlin. Es läuft nicht im Fernsehen - es wird per Videokassette unter die Leute gebracht. "Kanal B", so der Name, zeigt hausgemachte Kurzfilme, Musikvideos und Reportagen aus dem echten Leben - ab April monatlich. Vor ungefähr einem Jahr entstand die Idee, ein Forum für Filme zu schaffen, die auf anderem Wege der Öffentlichkeit kaum zugänglich wären.

Die Idee wurde in einem "Steirischen Online-Weltrettungsunternehmen" geboren. So bezeichnen sich die Leute von restoel ( www.restoel.net ). Restoel, u.a. Erstveröffentlicher elektronischer Musik im Internet veranstaltet jährlich das Trashfestival im Berliner Filmrauschpalast. Mit dem Videomagazin Kanal B versteht man sich aber auch als langfristige Konkurrenz zum herkömmlichen Fernsehen. Die vier Herausgeberinnen des Magazins, alle zwischen 20 und 30 Jahren alt, wollen Leute ansprechen, die "keinen Bock auf Mainstream haben. Leute die selber etwas machen, dabei aber keine Profis sind", so Bärbel Schönafinger von restoel.

Das Leitmotiv für Kanal B ist Trash. Dazu Alex von der Wehl, die für die grafische Gestaltung zuständig ist: "Trash bedeutet für uns erst mal, dass es um den Inhalt, und nicht um die Form geht. Wichtig ist das Umsetzten des freien Impulses. Die Idee steht im Vordergrund". Kanal-B-Programme haben eine Länge von etwa 20 Minuten. Kurzdokumentation, Musikvideo, Kurzfilm, Wettbewerb und ein Beitrag aus dem wahren Leben sind die Sparten des Videomagazins. Plante man anfangs noch, die VHS-Cassetten, Auflage 5000 Stück, umsonst unters Volk zu bringen, so ist man mittlerweile dazu übergegangen, diese zu einem Stückpreis von 5 DM in Bücher- und Plattenläden, in Kneipen, Clubs, und Kinos der Innenstadt zu verkaufen. Der Grund dafür, erklärt Alex von der Wehl, sind "die Produktionskosten von 25 000 DM pro Folge. Wir verhandeln zwar gerade mit einigen Sponsoren, aber noch ist nichts spruchreif".

Eigene Büroräume gibt es derzeit zwar noch nicht, aber das soll sich bald ändern. Auch das Merchandise Angebot wird noch um die eine oder andere Devotionalie erweitert werden. Bisher gibt es nur das obligatorische T-Shirt. Am 31. März findet im Deli an der Schillingbrücke die Release Party der ersten Kanal B Ausgabe statt. Neben einer Trashband auf der Bühne gibt es natürlich die erste Folge des Videomagazins auf dem Monitor zu sehen.

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