Berlin : Kanal war voll: Facebook-Fans gingen baden

Michael Erbach

Potsdam – „Wir haben den Kanal voll“, skandiert irgendjemand irgendwann nach ein Uhr am Potsdamer Stadtkanal. Trotz der Dunkelheit schwirren Mücken, die Temperaturen liegen noch über 25 Grad, die Stimmung ist toll. Klatschen, plätschern, johlen, kraulen, trinken. Über Facebook war der Aufruf für den Flashmob „Mitternachtsbaden im Stadtkanal“ am späten Freitagnachmittag in die virtuelle Welt geschickt worden. Weit mehr als 200 zumeist junge Leute stürmten dann nach Mitternacht den für das Kanalrennen am Samstag bestens präparierten Kanalabschnitt zwischen Friedrich-Ebert-Straße und der Ladenbergbrücke.

Der Potsdamer Stadtkanal entstand im 17. Jahrhundert und wurde als innerstädtischer Transportweg genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kanal zuschüttet. Eine Bürgerinitiative versucht, den Stadtkanal wiederzubeleben. Ein erster Abschnitt ist in der Yorckstraße fertiggestellt, jedoch ohne Wasser. Für den Kanalsprint der Kanuten wird der Stadtkanal einmal im Jahr geflutet

„Wir haben einen geheimen Badespot entdeckt“, war die Ansage gewesen. „Lasst uns heute Nacht im flachen Wasser eine Party feiern, bevor wieder der Stöpsel gezogen wird.“ Die große Attraktion war Pierre, der auch über Facebook von der Spontanveranstaltung erfahren hatte und sein Drahtseil über den Stadtkanal spannte. „Das muss einfach sein“, sagt er, und schafft es tatsächlich, gleich mehrere Male den Kanal auf dem Drahtseil zu überqueren. Pierre ist kein Unbekannter, seine Drahtseilakte vollführt er überall in der Stadt. Nur ein paar Meter vom Seil entfernt steht ein Auto der Wasserwacht. Der junge Mann am Lenkrad gibt sich gelassen. „Wird schon nichts passieren“, ist er sich sicher. Auf die Frage, wie er von der Party erfahren habe, sagt er nur: „Über Facebook.“ Michael Erbach

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