Kandidat : Ex-Finanzsenator Kurth geht nach Köln

Die CDU der Domstadt holt den früheren Finanzsenator als Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters. Die Verhandlungen blieben geheim.

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Peter Kurth (CDU) geht nach Köln. -Foto: dpa

Die Berliner Union erreichte die Nachricht am Montag zunächst völlig unerwartet: Peter Kurth, früherer Finanzsenator und seit 2007 CDU-Kreisvorsitzende von Pankow, soll Kandidat der Union für das Oberbürgermeisteramt in Köln werden. Dies bestätigten am Nachmittag Parteikreise der Kölner und später auch der Berliner CDU. Offiziell soll die Personalie erst am Mittwoch bekannt gegeben werden, man wollte sich allerdings bemühen, diesen Termin auf den heutigen Dienstag vorzuziehen. Kurth selber war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Anscheinend sind die Verhandlungen mit der Kölner Union unter großer Geheimhaltung gelaufen, ohne dass die Berliner Parteifreunde etwas davon wussten. Auch enge politische Vertraute waren nicht eingeweiht. So wie die stellvertretende Landeschefin Monika Grütters, die über Kurth, den gebürtigen Siegburger sagt, dass seine Heimat ihn nie losgelassen habe und er einiges für das Amt mitbringe. „Er weiß, wie man eine großstädtische Kommune verwaltet“, sagte Grütters.Der Berliner CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel wurde ebenso überrascht wie René Stadtkewitz, der bis zum vergangenen Jahr Kurths Stellvertreter im Pankower Kreisverband war.

Mit der Einigung auf Kurth geht ein wochenlanges parteiinternes Tauziehen zu Ende, denn die Kölner CDU hatte sich zuvor mindestens zehn Absagen für die Spitzenkandidatur eingehandelt. Denn seit dem plötzlichen Rückzug von Amtsinhaber Fritz Schramma stand die Partei ohne Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl am 30. August da. Schramma war nach dem Einsturz des Archivhauses in der Innenstadt heftig kritisiert und auch parteiintern angegriffen worden. Bundespolitiker wie der stellvertretende Unionsfraktionschef Wolfgang Bosbach hatten die Kandidatur ebenso abgelehnt wie die in der Domstadt lebenden Adenauer-Enkel. Dass Kurth sich bereit erklärt hat, in Köln anzutreten, hat mit der Sorge der CDU zu tun, die größte Stadt Nordrhein-Westfalens an SPD und Grüne und deren gemeinsamen Kandidaten Jürgen Roters zu verlieren.

Kurth, der dem liberalen Flügel der Berliner CDU angehört und als Hoffnungsträger galt, war von 1999 bis zum Ende des Diepgen-Senats 2001 Finanzsenator. Danach musste der heute 49-jährige Jurist in innerparteilichen Machtkämpfen einige Niederlagen einstecken. Ambitionen sowohl auf den Landesvorsitz wie auch auf den Fraktionsvorsitz im Abgeordnetenhaus musste er aufgeben, so dass er sich schließlich aus der Politik auf Landesebene zurückzog. Noch im vergangenen Herbst hatte es Querelen in seinem Pankower Kreisverband gegeben. Im Streit um den CDU-Kandidaten für die Bundestagswahl warfen Parteifreunde dem Kreisvorsitzenden vor, Gottfried Ludewig gegen den Widerstand der Basis durchgedrückt zu haben. Stellvertreter Stadtkewitz, der zu den Kritikern zählte, legte daraufhin sein Amt nieder.

Seit 2001 gehört Kurth dem Vorstand der Alba AG an, zu der auch das Kölner Recyclingunternehmen Interseroh gehört. sik/jz/za

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