Berlin : Kandidaten-Nominierung Grüne und PDS: Frauen auf dem Vormarsch

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"Verjüngt, kompetent, mehrheitlich weiblich": Mit diesen Attributen stellen die Berliner Grünen ihre Landesliste vor. Der Nominierungsmarathon für die 40 Plätze zog sich über zwei Wochenenden hin. "Sehr kompetent und obendrein zukunftsträchtig" heißt es bei der PDS über die Landesliste. Durch ein einfacheres Wahlsystem brauchte die PDS lediglich ein Wochenende, um die 50 Listenplätze ihrer Landesliste zu nominieren. Die PDS wählt laut Satzung zwar auch mit einer Quotierung: Alle ungeraden Plätze sind - eigentlich - Frauen vorbehalten. Weil nun aber Gregor Gysi zum Spitzenkandidaten gewählt wurde, mussten auf den nachfolgenden Plätzen zwei und drei Frauen nominiert werden: Fraktionschefin Carola Freundl und Gesine Lötzsch, PDS-Bezirksvorsitzende Lichtenberg-Hohenschönhausen und Abgeordnete.

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Berlin vor der Wahl Bei den Grünen können auf allen ungeraden Plätzen nur Frauen, auf allen geraden Plätzen Frauen und Männer kandidieren. Auf mindestens jedem dritten Platz muss ein Mitglied nominiert werden, das noch nicht einem Landesparlament angehört hatte. Diese beiden Quotierungen werden wiederum verknüpft, so dass jeder ungerade, durch drei teilbare Platz Frauen ohne Parlamentserfahrungen vorbehalten bleibt. Das ist auch einer der wesentlichen Unterschiede zwischen PDS- und Grünen-Liste: Mit Sibyll Klotz auf Platz eins sind die Grünen erstens die einzige Partei mit einer Spitzenkandidatin, und zweitens ist auf jedem dritten Platz ein "neues Gesicht" zu sehen, wie Umweltpolitikerin Felicitas Kubala auf Platz drei, Rechtsanwalt Volker Ratzmann auf Platz sechs, Platz neun Ramona Pop, Mitglied im Bundesvorstand der Grünen Jugend, Haushaltsexperte Oliver Schruoffeneger Platz zwölf, die Schöneberger Sozialpolitikerin Jasenka Villbrandt Platz 15 oder Thomas Birk, Grünen-Fraktionschef Charlottenberg-Wilmersdorf.

Der erste Landesparlaments-unerfahrene Kandidat wurde bei der PDS erst auf Platz 22 nominiert: der Jurist Klaus Lederer. Unter den 50 Kandidaten treten 52 Prozent das erste Mal an. Die "politischen Newcomer" kandidieren in der Mehrzahl auf den hinteren Plätzen. Deutlich haben die Sozialisten bei der Aufstellung der vorderen Plätze der Landesliste auf parlamentserfahrene Kandidaten mit den jeweiligen politischen Schwerpunkten gesetzt. 23 Kandidaten haben Erfahrungen in der Landespolitik, 31 in der Bundes- oder Kommunalpolitik. Fast alle von den ersten 20 Kandidaten sind oder waren schon einmal Mitglieder des Abgeordnetenhauses wie zum Beispiel Carola Freundl, Gesine Lötzsch, Harald Wolf, Marion Seelig, Thomas Flierl, Martina Michels, Evrim Baba, Steffen Zillich, Ingeborg Simon, Michail Nelken, Stefan Liebich oder Uwe Doering. Nur Kandidat Nummer acht, der stellvertretende Landesvorsitzende Udo Wolf, passt nicht in dieses Schema. Wolf wurde deshalb auf einen vorderen Platz gewählt, weil er schon 1989 Mitglied der Verhandlungskommission der Alternativen Liste bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPD war. Als Verhandlungsexperte könnte er nach den Wahlen in Koalitiongesprächen die PDS-Interessen vertreten. Udo Wolf trat Anfang der neunziger Jahre wie sein Bruder, Fraktionschef und Haushaltsexperte Harald Wolf, aus der Grünen-Partei aus und traten in die PDS ein.

Mit der früheren Ost-Berlinerin Sibyll Klotz und weiteren Kandidaten aus dem Ostteil wie Claudia Hämmerling, Thomas Birk, Harald Moritz (Platz 20) und Almuth Tharan (Platz 23) wollen die Grünen ihr Profil als Ost-West-Partei unterstreichen. Mit Harald Moritz wurde auch ein ehemaliger Bürgerrechtler nominiert. Die PDS wiederum hat auf Platz fünf die frühere Mitbegründerin der "Kirche von unten" und der Vereinigten Linken, Marion Seelig, gewählt. Auch auf weiteren Listenplätzen beider Parteien finden sich Bürgerrechtler.

Als "erste Wahl" für Lesben und Schwule präsentieren sich die Grünen mit Sibyll Klotz, Thomas Birk und Anja Kofbinger (Platz 21). Auch bei der PDS haben sich einige Kandidaten mit dem Hinweis auf ihre Homosexualität vorgestellt.

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