Berlin : Kandidatensuche lähmt die CDU

Unzufriedenheit über Landeschef Schmitt wächst

Werner van Bebber

Das hört sich nicht gut an. „Druck“ spüren die Kreischefs der Berliner CDU, von „Lähmung“ sprechen sie nach der Sitzung vom Sonntagabend. Landeschef Ingo Schmitt hatte eingeladen. Der Vormann der Kommission, die für die Berliner CDU einen Spitzenkandidaten finden soll, wollte wohl Zuversicht vermitteln und daran erinnern, dass noch ein paar Wochen Zeit sind, um die personelle „Außenlösung“ zu präsentieren, auf die alle seit Monaten hoffen. Doch Schmitt konnte schon Klaus Töpfer nicht gewinnen, und Zuversicht hat er am Sonntagabend auch nicht vermitteln können.

„Ich glaube, dass wir einen tollen Kandidaten haben werden!“ – das ist fast eine Einzelmeinung aus der Runde der Kreisvorsitzenden. Einige sagen überhaupt nichts zur Kandidatensuche und zum Sonntagabend. Schweigen, bis die Suche beendet ist – das ist Schmitts Strategie: Spätestens Ende Januar ist alles klar. Doch ist die Suche bislang glücklos verlaufen, und so ist es längst kein gelassenes und überzeugtes Schweigen mehr, das die Kreischefs zusammenhält, eher ein hilfloses. „Man kann tun und lassen, was man will, es ist im Endeffekt völlig egal“, sagt einer über die Wahrnehmung der CDU in der Öffentlichkeit.

Manch einer hält den Landeschef nicht bloß für glücklos: Schmitt, der das Amt im Mai übernommen hatte, um sich auf die Suche nach einem Spitzenkandidaten zu machen, habe falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte, hört man jetzt öfter. Falsch sei die Konzentration auf Töpfer gewesen. Falsch, einen Zeitpunkt zu nennen statt auf eine Überraschung zu setzen. Das sei jetzt „keine Krise mehr“, das sei „eine Katastrophe“.

Eines eint die CDU-Kreischefs – nämlich das Gefühl, zu viel Zeit verloren zu haben. Sie haben den Eindruck, dass auch Landeschef Schmitt die Personaldebatte nicht mehr kontrollieren kann. Namen werden genannt. Erst sagten die Schwergewichte ab. Friedrich Merz ließ Interesse dementieren, Wolfgang Bosbach sagte, er wolle in der Bundespolitik bleiben. Der Name Friedbert Pflüger polarisierte die Kreischefs, so dass sie wieder öfter von einer Berliner Lösung des Problems sprechen. Monika Grütters? Sie ist unerreichbar weit weg. „Die Mailbox ist voll und kann leider keine weiteren Nachrichten entgegennehmen. Auf Wiederhören“, sagt ihr Mobiltelefon. Kein Kandidat, keine Idee für die Stadt, keine Botschaft für die Wähler – und das, obwohl es eine klare intellektuelle Herausforderung gibt, wie der Reinickendorfer Kreischef und Ex-Spitzenkandidat Frank Steffel sagt: Klaus Wowereit arbeite an einer linken Mehrheit für 2009 im Bund – „Aufgabe der Berliner CDU wäre es, das zu verhindern“.

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