Berlin : Kandidiert als Innensenator: Eckhart Werthebach

ROBERT BIRNBAUM

Eins hat Eckhart Werthebach mit seinem Vorgänger gemein: Der 58jährige Jurist ist als Politiker nicht aufgefallen, bevor ihn die Berliner CDU als Retter aus Personalnot rief.Werthebach ist ein Manager, und einer von den effektiven.Großgeworden ist er im Bonner Innenministerium, in das er praktisch direkt nach dem Studium wechselte und dessen Apparat er infolgedessen wie kaum ein zweiter kennt.

Geprägt hat ihn die Erfahrung des RAF-Terrors: Der hochgewachsene Mann saß unter anderem während der Schleyer-Entführung im Krisenstab.Zum eifernden Hardliner hat ihn das nicht gemacht.Als Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz in Köln von 1991 bis 1995 hat er das Programm für RAF-Aussteiger mit unterstützt.Auch aus seiner Tätigkeit als Berater der Maiziere-Regierung für die Stasi-Auflösung erwuchs eher eine pragmatische Haltung.Werthebach plädierte für eine Amnestie für Agentenführer und Spione und konnte Forderungen aus der CDU, der er nahestand, aber nicht angehörte, nach Beobachtung der PDS nichts abgewinnen.

Dabei ist Werthebach kein Liberaler - aber ihn interessieren Ergebnisse allemal mehr als ein ideologisch korrekter Weg dorthin.Das hat Manfred Kanther mit dazu bewogen, ihn 1995 als Staatssekretär ins Innenministerium zurückzuholen mit dem diffizilen Auftrag, Vorschläge zur Reform des öffentlichen Dienstes zu erarbeiten.Eigentlich sollte Werthebach schon früher auf den Posten.Aber dem stand der Vorwurf im Weg, er habe durch Aktenweitergabe verhindert, daß der Grüne Thilo Weichert in Brandenburg Datenschutzbeauftragter wurde.Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen erteilte gestern ein Vorschußlob: Mit Werthebach sei die Stärkung der inneren Sicherheit und die konsequente Umsetzung der Verwaltungsreform gewährleistet.

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