Berlin : Kann nicht sein!

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VON TAG ZU TAG

Markus Huber lebt jetzt in Wien und wundert sich über das neueste Stadtranking

Komische Sache das mit den Rankings: Da lebt man drei Jahre in einer Stadt, findet sie mit Ausnahme des lokalen Fußballklubs und den abenteuerlich mehligen Schrippen eigentlich ganz schnafte, und dann kommt eine Studie heraus, die besagt, dass Berlin in punkto Lebensqualität gerade mal auf Platz 15 liegt. Hinter Weltstädten wie Brüssel und Düsseldorf. Und ach ja: Wien liegt in dieser Studie der Unternehmensberatung Mercer auf Platz drei. Kann ja nicht sein, ruft man da, so als Wien-Rückkehrer, der Wirtschaft wegen: Erstens haben wir Wiener mehr Hundstrümmerl auf der Straße und zweitens stinken sie mehr! Drittens haben wir Wiener weniger Clubs und viertens ist in ihnen weniger los! Fünftens ist es in Wien sommers kürzer hell und sechstens die Stadtautobahn trotzdem verstopft! Siebtens haben wir Wiener nur eine vernünftige Oper und die gehört achtens einmal im Jahr dem peinlichsten Bauunternehmer der Welt! Neuntens haben wir Wiener einen Bürgermeister, der so aussieht, als würde er schon um acht Uhr morgens sein erstes Achterl trinken und zehntens bleibt Wowi trotzdem länger auf.

Was also misst die Studie? Die Straßenbahn-Intervalle? Die McDonald’s-Dichte? Oder das verrückte Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit? Im Tiergarten??? Obacht ruft man da, als Berlin-Vermisser, der launigen Taxifahrer wegen: Da haben sich die Studien-Autoren wohl zu lange in Berlin herumgetrieben, zu oft in bestimmten Zeitungen gelesen oder zu viel mit manchen Eingeborenen geplaudert. Das versteht man natürlich nur als Berliner (oder vielleicht als Wiener): Dass nämlich der Berliner nicht alles so mies meint, wie er es mies macht. Es sei denn natürlich, die Studienautoren waren zu häufig bei Hertha.

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