"Kannibalen" in Berlin : Menschenfleisch-Restaurant war PR-Gag - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren erweckte eine ominöse Webseite den Eindruck, in Berlin würde in Kürze ein "Kannibalen-Restaurant" eröffnet werden. Doch die Aufregung war umsonst: Es wurde klar, dass der Vegetarierbund die Öffentlichkeit hereinlegen wollte. Was Henning Onken darüber schrieb.

Keine Wari-Küche: Der Vegetarierbund Deutschland wollte mit dieser Webseite auf die weltweiten Probleme des Fleischverzehrs aufmerksam machen.
Keine Wari-Küche: Der Vegetarierbund Deutschland wollte mit dieser Webseite auf die weltweiten Probleme des Fleischverzehrs...Screenshot: www.flime-restaurante.com

An einem unbekannten Ort wollte an diesem Donnerstag das Restaurant Flimé ausgewählten Journalisten seine Speisekarte präsentieren. Groß war die Aufregung, ob bei der Verkostung tatsächlich Häppchen aus Menschenfleisch angeboten würden. Doch hinter den Anzeigen in Zeitungen und der Webseite www.flime-restaurante.com steckte der Vegetarierbund, der folgende Erklärung abgab: "Ob Welthunger, Klimawandel, Wasserknappheit, Regenwaldabholzung, Tierseuchen oder Wohlstandskrankheiten - all diese großen, globalen Problemen werden durch unseren hohen Fleischkonsum verursacht oder verschärft. Über diese Tatsachen macht sich im Alltag kaum einer Gedanken. Deshalb war es nötig, eine solche kreative Kampagne ins Leben zu rufen", sagte Sebastian Zösch vom Vegetarierbund Deutschland.

Mit Anzeigen und Berichten in Zeitungen hatte der Vegetarierbund den Eindruck erweckt, in der Hauptstadt solle in einem neuen Restaurant Menschenfleisch zum Verzehr angeboten werden. Der für das Lokal ausgesuchte Name 'Flimé' stünde für "Fleisch isst Menschen", hieß es nun beim Vegetarierbund.

Mit seiner Kampagne wollte der Bund nach eigenen Angaben auf all die Millionen Menschen aufmerksam machen, die "durch den weltweiten Fleischkonsum in Mitleidenschaft gezogen werden". Es sei eine Tatsache, dass alle 3,6 Sekunden ein Mensch an Unterernährung stirbt, während ein Großteil der Getreideerträge an die sogenannten Nutztiere verfüttert werde.

Zu der Kampagne hatten unter anderem eine angebliche Internet-Versteigerung von vermeintlicher Menschenfleischpastete sowie die Suche nach einem "aufgeschlossenen Chirurgen" für das Restaurant gehört. Zudem war in Annoncen nach freiwilligen Spendern von Fleisch für das Restaurant gesucht worden. (ho/ddp)

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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