Berlin : Kannibalen von Rotenburg nachgeahmt Der Neuköllner Mord und der Fall von 2002

Jörn Hasselmann

Ralf M. wollte den Kannibalen von Rotenburg nachahmen. „Er hatte seitdem diese Fantasie“, sagte ein Ermittler dem Tagesspiegel. „Seine Inspiration war Rotenburg“ – der Ortsname ist seit 2002 Synonym für sexuell motivierten Kannibalismus. Doch in letzter Konsequenz schreckte der Neuköllner zurück: Das Fleisch seines Opfers Joe R. verzehrte er nicht. Die Obduktion bestätigte die Aussage des geständigen Mannes.

Gegen den 41-jährigen Ralf M. ist Haftbefehl wegen „heimtückischen Mordes zur Befriedigung des Geschlechtstriebes“ erlassen worden, teilte ein Justizsprecher am Donnerstag mit. Die Staatsanwaltschaft will den geständigen Täter von einem psychiatrischen Sachverständigen auf seine Schuldfähigkeit untersuchen lassen. Bei der Kripo hieß es, dass der Mann „völlig gefasst gewirkt habe“. Die Tötung sei gewollt gewesen und kein „Unfall“ beim Sex. Die Polizei erwartet eine zügige Anklage gegen den Mann. „Es ist alles ermittelt und gestanden hat er ja auch“, hieß es bei der Polizei. Der Prozess könnte in einem halben Jahr beginnen.

Auf ähnliche Taten des Neuköllners gibt es derzeit keine Hinweise, hieß es bei der Kripo. M. habe keine festen Beziehung gehabt, sein letzter Freund, eher eine flüchtige Beziehung, wurde gestern von der Mordkommission befragt.

Wie berichtet, hatten sich Ralf M. und Joe R. vor zwei Wochen im Internet kennen gelernt. Zweimal hatten sich die beiden Männer danach in der Wohnung des Neuköllners zu sadomasochistischem Sex getroffen. Verletzungen waren dabei verabredet gewesen, nicht jedoch die Tötung. Das betonten Polizei und Justiz gestern, und dies unterscheidet den Neuköllner Mord vom hessischen Fall. Denn der Berliner Ingenieur hatte damals das Einverständnis gegeben, getötet und gegessen zu werden. Auch diese Männer hatten sich im Internet kennen gelernt.

Treibende Kraft in dem Neuköllner Fall war der arbeitslose Maler Ralf M. Er hatte am 14. September unter dem Pseudonym „Metzger30“ in einem deutschsprachigen Internetforum eine Art Inserat hinterlassen – unter der Überschrift „Septemberbraten“. Darin sucht Ralf M. einen „Mann, der sich als Festbraten zur Verfügung stellt“. Der Musiklehrer Joe R. antwortete darauf.

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