Berlin : Kanzler für Kairo

Wie ein Schröder-Porträt aus einem Berliner Atelier ins ägyptische Außenministerium gelangte

Andreas Conrad

Man mag die hiesige Kunstszene preisen, die Kreativität der Künstler, ihren Fleiß, die Fähigkeit, sich zu vermarkten – gleichwohl ist es kaum die Regel, dass hier entstandene Werke sich in, sagen wir mal, ägyptische Amtszimmer verirren. Und noch seltener findet sich darauf deutsche Politprominenz, beispielsweise ein ehemaliger Kanzler, was dann beim ägyptischen Außenminister erst einmal Irritationen, neugierige Fragen auslöst. Aber unmöglich ist solch eine Kombination von Zufällen nicht.

Das Gemälde ist nicht groß, 30 mal 40 Zentimeter, Öl auf Leinwand, und es zeigt eine Atelierszene, Bilderrrahmen, Malutensilien, im Hintergrund ein in Arbeit begriffenes Porträt des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Der frühere erste Sekretär der ägyptischen Botschaft in Berlin, Karim Sherif, hatte es mit in seine Heimat genommen und samt einem zweiten, ebenfalls von dem Berliner Künstler Edward B. Gordon stammenden Bild mit einer orientalischen Caféhausszene in seinem Dienstzimmer im Kairoer Außenministerium aufgehängt. Dort hat Sherif jetzt den Posten des 1. Sekretärs der Abteilung UN-Reform inne.

Den aus Hannover stammenden, seit 1998 in Berlin lebenden Maler Edward B. Gordon lernten die Tagesspiegel-Leser kennen, als er 2003 im Rahmen der Serie „Mein Bild von Berlin“ eine Reihe von 36 Kleingemälden über den Ablauf eines Zeitungstages zu einem Großporträt dieser Zeitung zusammenfügte, von der morgendlichen Redaktionskonferenz bis zur Auslieferung des fertigen Blattes. Ähnlich strukturiert war auch das Bild des damals amtierenden Kanzlers Schröder, das Gordon im Sommer vorigen Jahres auf Anregung der ägyptischen Botschaft malte: 16 Einzelstudien, gefertigt nach Fotos, die zu einem Großgemälde verbunden wurden.

Schon vorher hatte Gordon zwei Ausstellungen bei den Ägyptern, die sich das Porträt als nette Geste gegenüber Schröder ausgedacht hatten, als dieser zu einem Treffen mit Vertretern arabischer Staaten in ihre Botschaft kam. Das ist auch gelungen, der Maler erinnert sich noch gerne an den Termin, bei dem Schröder offenbar Gefallen an seiner Arbeit gefunden habe, auch gab es tags darauf als Dankeschön einen Anruf des Kanzleramts.

Das Großgemälde hat Gordon später an einen Privatmann verkaufen können, das Atelierbild, ein Nebenprodukt des Projekts, schenkte er Karim Sherif, der in der Botschaft sein Ansprechpartner gewesen war. Bei dessen Versetzung aus Berlin nach Kairo kamen das Schröder-Bild und die Kaffeehausszene mit und hängen nun eben im Außenministerium, werden dort, wie Sherif dem Maler jetzt mailte, von seinen Kollegen und Besuchern stets „tief bewundert“. Sogar Außenminister Ahmed Abul Gheit sei unlängst bei ihm gewesen und habe überrascht vor dem Schröder-Porträt gestanden und es bewundert. Sherif musste ihm die Entstehungsgeschichte erzählen, was den Minister zu dem Lob animierte. Gordon besitze „sensible Hände“ und ein „großes Talent, Gesichter zu malen“.

Weitere Informationen im Internet unter www.gordon.de

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