Kanzler-U-Bahn : Doch kein Stararchitekt für die U5

Schlicht ist Trumpf - und kostensparend: Bei den drei Bahnhöfen, die auf der U 5 noch gebaut werden, will die BVG doch keinen Stararchitekten hinzuziehen. In der Planung sah das alles noch ganz anders aus.

Klaus Kurpjuweit

Welch ein Abstieg: Großzügig sollten die neuen U-Bahnhöfe auf der U 5 zwischen Alexanderplatz und Hauptbahnhof werden – jeweils mit der „individuellen Handschrift“ eines Stararchitekten. Berlin wollte hier mit einer neuen U-Bahn-Architektur auch im Untergrund glänzen. In den aktuellen Plänen ist davon aber nichts mehr zu erkennen. Im Gegenteil. Um Kosten zu sparen, sollen die drei noch zu bauenden Bahnhöfe eine schlichte Architektur bekommen. Dabei hätten großzügig gestaltete Stationen nicht nur eine repräsentative Funktion. Oft verhindern sie auch Vandalismus.

1995 war noch anderes geplant: „Bei einem Verkehrsbauwerk in derart prominenter Lage werden höchste Anforderungen an die städtebauliche Einbindung und architektonische Gestaltung gestellt“, hieß es damals. Namhafte Architekten sollten die Bahnhöfe der neuen Vorzeigelinie entwerfen. Richard Rogers spielte beim Bahnhof Berliner Rathaus mit viel Licht, für den Bahnhof Spreeinsel oder Humboldtforum sah Max Dudler eine großzügige, stützenfreie Halle vor, über eine begehbare Glasdecke sollte nach dem damaligen Entwurf von Axel Oestreich auch im Bahnhof Friedrichstraße Tageslicht die Bahnsteige erhellen. Im Rohbau sind nach Architektenentwürfen nur die Stationen Bundestag (Axel Schultes) und Hauptbahnhof (gmp – Meinhard von Gerkan) entstanden.

Jetzt will die BVG in eigener Regie bauen; die Entwürfe der Architekten sind obsolet. Dass die Pläne inzwischen aber so abgespeckt worden sind, dass bis zum Jahr 2017 nur noch Minimalbauten entstehen, ist auch innerhalb der BVG umstritten. Kritisiert wird vor allem, dass auch an Flächen für die Fahrgäste gespart werden soll. „Wir können nur Bahnhöfe bauen, aber keine Denkmale“, sagte BVG-Vorstand Thomas Necker.

Früher war dies anders. Viele Stationen in Berlin seien Sehenswürdigkeiten im Untergrund, sagte gestern Staatssekretärin Maria Krautzberger (SPD) von der Stadtentwicklungsverwaltung bei der Präsentation eines Buches über die denkmalgeschützten Bahnhöfe der BVG. Biagia Bongiorno hat den Band zusammen mit dem Landesdenkmalamt erstellt. Auf rund 260 Fotos ist zu sehen, wie attraktiv die Stationen sein könnten, obwohl die Aufnahmen nicht ganz die Wirklichkeit zeigen – hässliche Bereiche, die verdreckt oder mit Graffiti beschmiert sind, wurden einfach wegretuschiert.

Während die BVG bei ihren neuen Bahnhöfen extrem sparen will, versucht sie inzwischen, wenigstens die bereits unter Schutz stehenden Anlagen zu erhalten. Bei der Sanierung der Stationen der U 8 versuche man, durch ein neues Verfahren die Originalfliesen zu erhalten, kündigte U-Bahn-Bahnchef Uwe Kutscher an. Auch bei den Stationen an der U 2 versuche man zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz die „Verschlimmbesserungen“ der 70er Jahre zu beseitigen. Am Bahnhof Spittelmarkt sei dies bereits gelungen. Und dort sei auch der Vandalismus zurückgegangen. Dabei steht ausgerechnet dieser Bahnhof nicht unter Denkmalschutz.

Ob auch der neue Bahnhof Brandenburger Tor mit Architektenhilfe ein Hit wird, muss sich noch zeigen. Auf Wunsch des Senats sollen die Wände ganz dunkel werden. Bei der BVG heißt er bereits „Mohrenloch“.

Biagia Bongiorno: Verkehrsdenkmale in Berlin – die Bahnhöfe der Berliner Hoch- und Untergrundbahn. 198 Seiten, 260 Abbildungen, Michael Imhof Verlag, 24,95 Euro.

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