Berlin : Kanzlerlob zum Jubiläum

1881 gab sie das erste Berliner Telefonbuch heraus – nun feiert die Bundesdruckerei ihren 125. Geburtstag

Elisabeth Binder

Über die Empore in der ehemaligen Ofenhalle der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) führt ein gläserner Laufsteg zur Bühne. Unten kann man die roh gemauerten Umrisse der alten Öfen sehen, in denen jetzt Skulpturen stehen. Hier feiert die Bundesdruckerei ihren 125. Geburtstag. Bundeskanzler Gerhard Schröder kommt leicht verspätet, schreitet dafür aber extra lässig zur Bühne.

Ohne weiteren Zeitverzug richtet der Sprecher der Geschäftsführung der Bundesdruckerei, Ulrich Hamann, zuerst den Blick in die Vergangenheit: 1881 das erste Berliner Telefonbuch mit 28 Seiten und einer Auflage von 200 Exemplaren, 1882 die ersten 100- und 1000-Mark-Noten der Reichsbank im Kupferdruck, hergestellt von Hand und zum Trocknen an Regalen aufgehängt. Dagegen heute: mehr als 500 Millionen Banknoten und 13 Millionen personalisierte Dokumente in einem Jahr. Das vor vier Jahren privatisierte Unternehmen arbeitet auch für andere Länder. Der Bundeskanzler ergänzt die Infos zur Produktpalette unter anderem um sowjetische Briefmarken und isländische Führerscheine, hebt die Tatsache hervor, dass bei der Einführung des Euro die Bundesdruckerei die einzige war, die Banknoten termingerecht auslieferte. Besonders lobt er das Engagement für junge Künstler. Zum Geburtstag hatte das Unternehmen Studenten der Meisterklassen von Georg Baselitz und KarlHorst Hödicke an der Hochschule der Künste beauftragt, das Thema „Identität im digitalen Zeitalter“ künstlerisch – in Öl auf Leinwand – umzusetzen.

Und wie verabschiedet man sich mit Grandezza, wenn man zum Dinner nicht bleiben kann? Vom Kanzler kann man’s lernen. Überschwänglich lobte er „das tolle Ambiente“ und, tatsächlich, die schön gedeckten Tische. Er war schließlich selber mal Prozellanverkäufer: KPM sei für das kleine Geschäft, in dem er gearbeitet habe, aber zu teuer und höchstens ausnahmsweise als zweite Wahl erhältlich gewesen... Innenminister Otto Schily, der schon als Kind von einigen der schönsten KPM-Teller gegessen hat, weil sein Großvater dort künstlerischer Direktor war, schwieg dazu dezent. Bis auf eine Rede von Hellmuth Karasek gab es kein weiteres Programm als das Dinner, bei dem ein spezielles Damendessert eingeführt wurde, das sich von dem der Herren durch eine deutliche Kalorienreduktion unterschied .

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