Kaputte Rolltreppen. : BVG und Bahn völlig von der Rolle

Betriebsstörungen, fehlende Ersatzteile, zu wenig Monteure: Kaputte Rolltreppen sind bei BVG und Bahn ein ständiges Ärgernis.

 Stefan Jacobs
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Rolltreppe abwärts.Fotos: Doris Spiekermann-Klaas

Auf das Prinzip der größten Gemeinheit ist Verlass: Je schwerer das Gepäck oder die Beine, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass mal wieder eine Rolltreppe am Bahnhof kaputt ist. Was in Kaufhäusern so gut wie nie vorzukommen scheint, ist bei Bahn und BVG immer wieder ein Ärgernis. Am Freitagnachmittag meldete die S-Bahn auf ihren Internetseiten neun lahmgelegte Rolltreppen und zwölf kaputte oder stillgelegte Aufzüge. Die BVG listet online nur Aufzugsstörungen auf – aktuell sieben an der Zahl. Hinzu kommen nach Auskunft des Unternehmens ebenso viele Rolltreppen, die sich zumeist seit Wochen nicht mehr rühren. An der Schönhauser Allee steckt eine Grundreinigung dahinter, an der Jungfernheide eine Generalüberholung. Am Rathaus Steglitz und am Bayrischen Platz werden ganz neue Treppen eingebaut, an der Yorckstraße lässt die bestellte Zugkette für die Stufen seit einem Monat auf sich warten. An der Schloßstraße ist eine Rolltreppe seit Sommer 2009 gefährlich morsch, aber soll bald durch ihre Nachbarin ersetzt werden, die dann aufwärts statt abwärts fährt. Und am Kurfürstendamm wird gebaut, was allein wegen des Schmutzes für Rolltreppen lebensgefährlich werden kann.

Nach Auskunft von BVG-Sprecherin Petra Reetz leiden die Rolltreppen am meisten unter Wind, Wetter und dem Tausalz von nahe gelegenen Straßen, das sie korrodieren lässt. Die notwendigen Ersatzteile seien nicht komplett auf Lager und für sehr alte Rolltreppen auch gar nicht mehr immer zu bekommen. „Viele Verkehrsunternehmen weltweit versuchen, auf Rolltreppen zu verzichten und lieber Aufzüge einzusetzen“, sagt Reetz. Rolltreppen sind komfortabel, aber Aufzüge für manche zwingend notwendig – ob Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen oder für manche Radler. Deshalb bietet die BVG einen E-Mail-Service an, mit dem sie über Aufzugsstörungen informiert. 79 von 173 U-Bahnhöfen gelten dank Aufzug schon als barrierefrei, 17 sollen in diesem Jahr hinzukommen. Finanziert werden sie größtenteils von Geld, das der Senat der S-Bahn wegen der Ausfälle abgezogen hat. Die Unterhaltung zahle dann die BVG.

Obwohl dem Aufzug die Zukunft gehört, sollen die Rolltreppen nicht aussterben. Im vergangenen Jahr waren sie nach Auskunft von Reetz zu 97,5 Prozent intakt. Mehr als vier von fünf Störungen würden binnen 24 Stunden repariert.

Matthias Horth, Vizevorsitzender des Fahrgastverbandes IGEB, lobt den Landesbetrieb: „Wir haben den Eindruck, dass die BVG da mehr hinterher ist als die Deutsche Bahn.“ Besonders unangenehm fielen die S-Bahnhöfe mit Regional- oder Fernverkehr auf. Dort ist die DB-Tochter Station und Service zuständig. Auch beim Verkehrsverbund VBB heißt es: „Auf die Infrastruktur der DB haben wir leider keinen Einfluss.“

Nach Auskunft der Bahn gibt es keine Ausfallbilanz für die 246 Rolltreppen auf den Berliner Stationen. Die an der Friedrichstraße werden zurzeit komplett erneuert; spezielle „Sorgenkinder“ gebe es nicht. Auffallend ist jedoch, dass selbst auf relativ neuen Bahnhöfen wie dem 2006 eröffneten Südkreuz oft tagelang Rolltreppen ausfallen, was wegen der enorm großen Höhenunterschiede dort besonders lästig für die Kunden ist. Und selbst wenn sie funktionieren, quietschen manche der erst vier Jahre alten Rolltreppen dort herzerweichend.

Bei der Bahn heißt es, dass der Verschleiß auf den besonders frequentierten Umsteigebahnhöfen überdurchschnittlich hoch sei. Auch Massenandrang bei Großveranstaltungen sowie Vandalismus spiele eine Rolle. Nach Auskunft eines Bahnsprechers hat die Konzerntochter DB Services etwa 20 Monteure für Berlin. Störungen würden der Zentrale im Ostbahnhof gemeldet und von dort die „zeitnahe Instandsetzung“ veranlasst.

Ginge es nach Medizinern, würden die meisten Rolltreppen ohnehin sofort stillgelegt: Dann würden die Leute wieder mehr Treppen steigen, was Herz und Kreislauf gut tue und gegen Übergewicht helfen könne. Bei einem Versuch in einem großen britischen Einkaufszentrum wurden entsprechende Hinweisschilder an den Rolltreppen angebracht – und tatsächlich: Selbst als die Schilder wieder weg waren, kletterten noch mehr als doppelt so viele Passanten zu Fuß wie in der Zeit zuvor.

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