Berlin : „Karat“-Sänger Herbert Dreilich ist tot

Der Berliner Musiker erlag einem Krebsleiden. 2005 wollte die Band das 30. Bühnenjubiläum feiern

Matthias Schlegel

„Lieber Herbert“, schreiben Sabine und Sabine auf einer „Karat“-Fanseite im Internet, „wir wissen, dass du diese schwere Prüfung meistern wirst, wie du schon so vieles in deinem Leben geschafft hast“. Das war im März, als bei Herbert Dreilich Leberkrebs diagnosiziert wurde. Die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Der Frontmann der Rockband „Karat“ starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am Sonntag, wenige Tage nach seinem 62. Geburtstag.

Der „Karat“-Sänger erlag, wie jetzt bekannt wurde, seinem Leiden in der Nacht zu Sonntag. Schon einmal, vor sieben Jahren, war der Mitbegründer der Ost-Kultband dem Tode nah, aber da war er ihm „von der Schippe gesprungen“, wie er es selbst formulierte. Ein Schlaganfall streckte ihn im Oktober 1997 während eines Konzerts in Magdeburg nieder. Doch im März des folgenden Jahres machte er schon wieder Musik. In der Pankower Max-Schmeling-Halle holte Peter Maffay, der dort sein Album „Begegnungen“ präsentiert, den von der Krankheit gezeichneten Freund auf die Bühne. Gemeinsam sangen sie „Über sieben Brücken musst Du gehn“ – jenen Titel, der „Karat“ berühmt gemacht hat und der 1981 beim ersten Auftritt der Ost-Band im Westen die Freundschaft zwischen Dreilich und Maffay begründete.

Dreilichs Lebensmotto und das seiner Band war, sich immer selbst treu zu bleiben, im Leben wie in der Musik. Nach der Wende sagte er diesen Satz fast ein bisschen trotzig. Denn wie andere Musiker aus der DDR erlebte auch „Karat“ einen Durchhänger Anfang der 90er Jahre, als Musik aus dem Osten „out“ war. Ohnehin hatte „Karat“ zu DDR-Zeiten gelegentlich mit dem Vorwurf zu kämpfen, zu regimetreu zu sein. Doch nach der Wende eroberten sie ihr Publikum zurück, auch wenn keine neuen Songs in die Charts aufrückten. Im Jahr 2000 feierten 17 000 Anhänger in der Wuhlheide das 25-jährige Band-Bestehen. Sie vermittelt mit dem unvermeidlichen Schuss Nostalgie noch immer dieses grüblerische Lebensgefühl, das ihre Fans an den Musikern schätzen – und das Plattenfirmen im Westen als zu wenig marktfähig verschmähen.

1942 in Mauterndorf (Österreich) geboren, verbrachte Dreilich die Schulzeit bei Verwandten in England und der Bundesrepublik. 1959 siedelte die Familie in die DDR über, Dreilich verschrieb sich der Musik, besuchte von 1967 bis 1971 die Musikschule Friedrichshain. Die Band von Reinhard Lakomy, das „Henry-Kotowski-Quintett“, die „Alexanders“ und „Panta Rhei“ waren seine musikalischen Stationen, ehe er 1975 „Karat“ mitbegründete. Titel wie „Über sieben Brücken“, „Schwanenkönig“ oder „Der blaue Planet“ bringen die Band ihrem Ziel nahe: den populären „Puhdys“ den Rang abzulaufen. Nächstes Jahr sollte das 30. Bühnenjubiläum mit einer Tour gefeiert werden. Der Mann aus Mahlsdorf wollte unbedingt dabei sein.

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