Berlin : Kardinal will kein Zentrum gegen Vertreibung in der Kirche

Dompfarramt stellt Räume in der St. Michaelkirche in Kreuzberg allenfalls für eine befristete Ausstellung zur Verfügung

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Als das Zentrum gegen Vertreibungen zum Wahlkampfthema wurde, wollte Georg Kardinal Sterzinsky nichts mehr damit zu tun haben. Die katholische Kirche, das erklärte gestern Dompfarrer Alfons Kluck im Sinne des Kardinals, werde kein Gebäude für ein Vertriebenenzentrum zur Verfügung stellen. Die Verhandlungen darüber wurden abgebrochen.

Noch vor kurzem hatten Kluck und der Vorstand der Domgemeinde mit Sterzinskys Wissen mit der Stiftung gegen Vertreibungen über eine erbbaurechtliche Verpachtung eines Teils der St. Michaelkirche gesprochen. Dann aber gab es wieder Streit um das Zentrum, für das sich die Präsidentin des Vertriebenenverbandes, die CDU–Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, ebenso einsetzt wie der SPDPolitiker Peter Glotz. Dessen Parteifreund Markus Meckel warnte, ein solches Zentrum werde Ressentiments von Polen und Tschechen fördern. Die Koordinatorin für die deutsch-polnischen Beziehungen, Gesine Schwan, hält ebenfalls nichts davon.

Nun will die Kirche mit der Stiftung gegen Vertreibungen nur noch über eine befristete Ausstellung in den Mauern der St. Michaelkirche sprechen, sagte Dompfarrer Kluck, der auch für die St. Michaelgemeinde zuständig ist. Kardinal Sterzinsky meine, die Zeit sei nicht reif für ein solches Zentrum, ergänzte sein Sprecher Stefan Förner am gestrigen Dienstag. Erst wenn es einen Konsens über ein solches Zentrum gebe, könne die Kirche ein Gebäude zur Verfügung stellen. Die Vorsitzende der Stiftung, Erika Steinbach, wunderte sich über Sterzinskys Sinneswandel: Sie habe ihm schon vor einem Jahr erläutert, wie man sich den Umgang mit dem Thema Vertreibungen vorstelle. Ihr gehe es vor allem um den Gedanken der Versöhnung. Wenn die Kirche nicht wolle, gebe es in Berlin noch genügend andere Gebäude.

Laut Dompfarrer Kluck hatte der Kirchenvorstand sowohl über einen Erbbaupachtvertrag als auch über eine Vermietung von Teilen der St.Michaelkirche verhandelt. Das Gebäude am Michaelkirchplatz ist seit dem Zweiten Weltkrieg zum größeren Teil eine Ruine. Das Querschiff wird zwar von der St. Michaelgemeinde für Gottesdienste genutzt, das Längsschiff hat aber kein Dach mehr – sein Boden besteht aus Rasen. Zwischen Längs- und Querschiff befinden sich Gluck zufolge Versammlungsräume und zwei Wohnungen, denn in den „Ruinengarten“ im Längsschiff ist ein Haus hineingebaut worden. Die Räume dort könne der Bund der Vertriebenen für einige Jahre mieten, so der Dompfarrer. Dagegen habe Kardinal Sterzinsky nichts einzuwenden. wvb.

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