Berlin : Karin Schubert und ihr Stuhl aus dem Gefängnis

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Eigentlich sollten die 11 Stühle das Frauengefängnis Lichtenberg nicht verlassen. Nun steht einer von ihnen im Büro von Justizsenatorin Karin Schubert (SPD).

Am Anfang war die Idee, ausrangierte Stühle durch ein Kunstprojekt wieder ansehnlich zu machen. Den Kultursaal der Anstalt sollten sie schmücken. Im Frühjahr 2004 fingen die Frauen mit den Arbeiten an. Sie nutzten die alten Möbelstücke als Untergrund für Collagen, die die Inhaftierten aus Zeitungsbildern zusammenstellten. Die Begeisterung über die entstandenen Werke war bei den Macherinnen und der Projektleitung so groß, dass man die Kunstwerke der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollte.

So machte sich das Projektteam auf die Suche nach Partnern, die die Kunst auch außerhalb der Anstalt bekannt machen könnten. So werden die Stühle unter anderem beim „Frauen Computer Zentrum“ und dem Verein „Kunst im Knast“ zu sehen sein. Gestern verließen die ersten „Ausreißer“ das Gefängnis: Für drei Monate werden sie an die Sängerin Ulla Meinecke und an die Senatorin verliehen. Eigentlich passe das bunte Stück nicht zu den anderen Möbeln ihres Büros, sagte Frau Schubert. „Doch der Stuhl soll auffallen, er soll Fragen anregen.“ Auf die Sitzfläche will sie eine Schüssel stellen, und jeder, der eine Frage zu dem Stuhl stelle, soll fünf Euro hineinpacken. Das gesammelte Geld geht dann als Spende an die Anstalt. fgl

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