Berlin : Karlshorst hat das Nachsehen: Fachhochschule sucht zentralen Campus

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Aus fünf mach eins: Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW), die derzeit auf fünf Standorte verteilt ist, soll einen zentralen Campus erhalten - das hat bereits 1994 der Senat beschlossen. Doch umgesetzt wurde die Entscheidung bislang nicht, und die rund 8000 Studenten müssen nach wie vor quer durch die Stadt zu ihren Vorlesungen fahren. Bisher konnte kein geeignetes Areal für Berlins größte Fachhochschule gefunden werden. Zur Diskussion stehen Karlshorst, Adlershof und Oberschöneweide.

Obwohl sich das Kuratorium vor einem Jahr dafür ausgesprochen hat, den jetzigen Hauptsitz an der Karlshorster Treskowallee auszubauen, denkt Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) darüber nach, den zentralen Campus in Oberschöneweide anzusiedeln. Er hat ein Gutachten vom Institut "Prognos" anfertigen lassen, das den Standort an der Wilhelminenhofstraße favorisiert. Begründet wird das unter anderem mit der attraktiven Lage am Wasser sowie den sanierten Wohnungen in der Umgebung, die für Studenten besonders preiswert seien. Das Ergebnis einer Expertenanhörung vom August diesen Jahres sieht ähnlich aus. Vertreter mehrerer Senatsverwaltungen, von Instituten und Hochschulen stellten "deutliche Vorzüge in Oberschöneweide" fest. Dort gibt es mit öffentlichen Mitteln sanierte Gebäude, die sofort bezugfähig seien.

Außerdem sprechen die hervorragende städtebauliche Lage und die Entwicklungsperspektiven des Quartiers für diesen Standort. "Wir würden hier weitgehend ohne Neubau auskommen", sagt Michael Wend von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Das sei in Karlshorst anders, dort müsste beispielsweise ein 17-geschossiges Hochhaus errichtet werden.

Damit die Sache endlich voran geht, müsse jetzt unter Federführung der Senatsverwaltung für Wissenschaft eine Vorlage zum Standort erarbeitet werden. Für Andreas Köhler, Mitglied der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, steht allerdings ein großes Fragezeichen über Oberschöneweide. Denn die Berliner Landesentwicklungsgesellschaft (BLEG) habe wesentliche Teile des für die FHTW in Frage kommenden Areals mit Fördergeldern saniert. Um die Fachhochschule dort anzusiedeln, müssten Flächen aus dem sogenannten Senatskonzept für den produktionsgeprägten Bereich herausgenommen werden. "Zudem wäre das Land verpflichtet, rund 100 Millionen Fördergelder zurückzuzahlen", sagt Köhler. In der Senatswissenschaftsverwaltung werde diese Frage zurzeit geprüft, teilt Pressesprecher Wehran mit. Für Köhler bleibt Karlshorst der bessere - und billigere - Standort. Er gibt außerdem zu bedenken, dass keiner weiß, was aus dem Karlshorster Gelände wird, wenn die Schule fortzieht.

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