Karneval der Kulturen : Die Kinder feierten schon mal

Bis zur letzten Minute wird an den Wagen für den großen Umzug gebaut. Die Kleinen zogen gestern kostümiert durch Kreuzberg.

Berlin (Der Tagesspiegel, 15.05.2005) - Der Lärm führt zum Ziel, laut und zuverlässig: Schon von Weitem hallt das Sägen, Bohren und Hämmern durch die menschenleere Oderstraße in Neukölln und weist den Weg direkt auf den staubigen Hof einer Autowerkstatt. Dort, wo sonst PS-Liebhaber ihre Wagen nachrüsten, tollen Kinder zwischen schwer beschäftigten Künstlern und etlichen Trucks umher. Einen Tag vor dem großen Umzug zum Karneval der Kulturen laufen hier noch am Sonnabend die letzten Vorbereitungen für das Kreuzberger Multikulti-Spektakel.

Seit morgens halb zehn schuften die Helfer der Karnevalsgruppe "Sapucaiu No Samba" an ihrem Gefährt. Inmitten von Maschendraht, Farbeimern und Sprühdosen bearbeiten 15 Schüler der elften Klasse des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Lichtenberg große Pressspanplatten, die sie mit bunten Frosch-Motiven bemalen, um sie seitlich am Truck zu befestigen. "Sapucaiu No Samba" bedeutet auf Deutsch soviel wie "Der Frosch, der in den Samba fiel". So symbolisieren die 16 glubschäugigen Figuren brasilianische Gottheiten.

Den Schülern des Kunstprofilkurses wurden lediglich die Farben zur Gestaltung des Umzugswagens vorgegeben: Grün und Orange. Der Rest, sagt die 18-jährige Linda Zielski, blieb ganz ihrer eigenen Fantasie und Kreativität überlassen. Seit Januar sind die Helfer mit dem Projekt beschäftigt. 1000 Euro standen ihnen dafür zur Verfügung.

"Wir haben dafür sehr viel Freizeit geopfert. Während unsere Mitschüler an den Feiertagen zuhause geblieben sind, waren wir in der Schule mit den Vorbereitungen beschäftigt", erzählt sie. Linda sieht zufrieden zu dem bunten Wagen hinüber. Auch wenn die Arbeit am Karnevalsprojekt viel Zeit und Mühe gekostet hat, merkt man: Alle sind stolz darauf, was sie geschaffen haben.

Während die Bastler auf dem Wagenbauplatz am Nachmittag eine kurze Pause zur Stärkung mit Burgern und Pommes Frites einlegen, setzt sich ein paar Kilometer entfernt am Mariannenplatz in Kreuzberg schon der Kinderkarneval mit seinen 1500 Teilnehmern in Bewegung. Angeführt von einer Gruppe Fünftklässler der Charlotte-Salomon-Grundschule zieht er an den Zuschauern in den Straßencafés vorüber. Viele bunt geschminkte Gesichter strahlen aus den Kostümen. Löwen sind dabei, Drachen, Indianer, Schmetterlinge und die buntesten Paradiesvögel. Vergnügt winken die Kleinen den Passanten zu, tanzen und hüpfen zum Takt der Trommeln - und die Eltern machen mit.

Für die Helfer auf dem Wagenbauplatz ist es erst heute soweit: Kurz nach 15 Uhr fährt ihr Wagen mit der Startnummer 51 am Hermannplatz los. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Bis 18 Uhr wollen sie noch arbeiten: Kostüme müssen fertig genäht und 700 Luftballons aufgeblasen werden. Dann erst kann sich der Truck mit seinen 270 Tänzern und Trommlern der Zuschauermenge präsentieren.

Und vielleicht wird die Mühe der Hobbybastler ja nach dem Umzug auch noch mit einer Auszeichnung belohnt. Linda Zielski ist war da gestern jedenfalls schon ganz zuversichtlich. (Von Nana Heymann)

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