Berlin : Karstadt: Millionen-Investition am Traditionsstandort

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Heller, übersichtlicher und schöner wirkt Karstadt an der Wilmersdorfer Straße. Nach neun Monaten Renovierung bei laufendem Betrieb ist heute offizielle Wiedereröffnung. Das Haus hat nun eine moderne und elegante Natursandsteinfassade, die fünf Verkaufsgeschosse sind komplett saniert. Statt in Abteilungen wird das Sortiment nun auf nach Themen sortierten Etagen präsentiert, die die Kunden besser ansprechen sollen und oft englische Titel tragen: Multimedia, Personality und Fashion beispielsweise. Neu ist daran, dass man an einer Stelle Dinge bekommt, die thematisch zusammengehören wie Anzüge und Krawatten, Porzellan und Besteck, Computer und Compact Discs. Im vierten Geschoss gibt es nun außerdem ein freundliches Café, von dem man auf die Fußgängerzone blicken kann.

33 Millionen Mark hat die Karstadt AG investiert. Für Verkaufsdirektor Ralf Dettmer ist das auch ein Vertrauensbeweis für den Gewerbestandort Wilmersdorfer Straße. Deutschlandweit eröffnet Karstadt in diesen Wochen 13 Häuser, die für insgesamt 520 Millionen Mark als "Themenkaufhäuser" um- oder neugebaut wurden.

Das Gebäude in der Wilmersdorfer Straße "ist eines unserer traditionsreichsten Häuser", sagte Dettmer gestern. Die ältesten Mauern stammen noch von dem Warenhaus, das die Kaufleute Graff und Hein bis 1906 an der Stelle errichteten. 1926 übernahm es Herrmann Tietz, nach dem später "Hertie" benannt wurde. Hertie hieß das Haus bis 1997. Als die Unternehmen Karstadt und Hertie fusionierten, verpflichtete sich der neue Konzern gegenüber dem Kartellamt, einige Warenhäuser zu schließen. Die Karstadt AG verkaufte ein anderes Kaufhaus an der Wilmersdorfer Straße, Ecke Kantstraße an Peek & Cloppenburg. Das Hertie-Haus wurde in "Karstadt" umbenannt. "In der Wilmersdorfer Straße bewegt sich was", sagte Charlottenburgs Baustadträtin Beate Profé. Wirtschaftsstadrat Andreas Statzkowski (CDU) erinnerte daran, dass die Einkaufsstraße von der Zahl der Kunden gesehen in Berlin an dritter Stelle liege. Der Geschäftsführer des Hauses, Horst-Heinrich Weiß, sprach von einer "wechselvollen" Entwicklung der Straße. Nach guten Geschäften bis 1994 müsse sie sich nun der Konkurrenz neu gebauter Einzelhandelsstandorte stellen. Auftrieb brächten der Straße Verbesserungen des Erscheinungsbildes: "Unglücklich" gestaltete Dächer wurden in den vergangenen Monaten abgebaut, die Zahl der Pavillons reduziert. Weiß hofft nun auf eine Wiederbelebung der Händler-Arbeitsgemeinschaft in der Wilmersdorfer Straße. Für den 5. November hat sie einen verkaufsoffenen Sonntag beantragt.

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