Karstadt : Schulterschluss mit den Kunden

In den Karstadt-Filialen sammelten Chefs und Belegschaft Unterschriften für die Rettung der Warenhäuser – und erfuhren viel Solidarität

Stefanie Richter
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Aktionstag. Auch bei Karstadt Sport in der Joachimsthaler Straße wurden Unterschriften gesammelt. Foto: Davids

Es war ein guter Start in den bundesweiten Karstadt-Aktionstag: Immerhin sieben Prozent im Plus notierte die Aktie von Arcandor am frühen Freitagmorgen. Für den Wert des Papiers bekommt man bei Karstadt gerade mal einen Kugelschreiber. Stefan Herzberg, Vorsitzender der Geschäftsführung von Karstadt, ist dennoch guter Dinge: „Unsere Warenhäuser sind ein Teil von Deutschland.“ Schulter an Schulter mit Belegschaft, Betriebsrat und Gesellschaftern werde die Geschäftsführung weiter für Karstadt kämpfen. Das machen auch die Kunden des Handelsriesen. Seit Montag läuft, initiiert von Geschäftsführung und Betriebsräten, eine bundesweite Unterschriftenaktion für die Rettung der Warenhäuser. Die erhofften rund eine Million Unterschriften sollen helfen, die Politik zur dringend benötigten Unterstützung des von Insolvenz bedrohten Konzerns zu bewegen.

Die gut fünftausendste Unterschrift in der Berliner Filiale am Kurfürstendamm leistet am Freitagvormittag Horst Schmidt. „Ich kaufe seit vielen Jahren hier“, sagt der Spandauer. Die Unterschrift sei das Mindeste, was er für sein Kaufhaus tun könne. Karstadt-Chef Herzberg, der an diesem Vormittag selbst am Eingang der Ku’damm-Filiale für Unterschriften wirbt, ist stolz auf das Engagement der Karstadt-Kunden. Es zeige, dass das Prinzip Kaufhaus keinesfalls tot sei, sagt Herzberg.

In der Wilmersdorfer Karstadt-Filiale zeigen die Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen, Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte und die Bundestagsabgeordnete Petra Merkel (alle SPD) ihre Unterstützung für die Warenhäuser. Karstadt sei als Einkaufsort, Arbeitgeber und wirtschaftlicher Partner sehr wichtig für den Standort, sagt Thiemen. Auf keinen Fall dürfe der Staat aber für falsche Unternehmensentscheidungen geradestehen, so die Bezirksbürgermeisterin im Hinblick auf eine mögliche Bürgschaft. Ohnehin wollen die Mitarbeiter am liebsten aus eigener Kraft wieder aus der Krise kommen: „Der Kampfgeist und Zusammenhalt ist noch größer geworden“, sagt Betriebsratsmitglied André Erdmann. Die Stammkunden zeigen sich solidarisch mit den Mitarbeitern: „Karstadt gehört einfach dazu“, sagt Sarah Johns. Schon als Kind sei sie mit ihren Eltern hier einkaufen gegangen. Jetzt ist sie selbst Mutter – und kommt mit ihren Kindern. Stefanie Richter

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