Berlin : Karstadt verkauft Neuköllner Hertie-Haus an Möbelhauskette

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Die österreichische Möbelhauskette Lutz/Neubert fasst nun doch Fuß in Berlin: Nach TagesspiegelInformationen wird die Unternehmensgruppe im Januar 2006 das Hertie-Kaufhaus an der Karl-Marx-Straße in Neukölln übernehmen und umbauen. „Darauf haben sich beide Seiten definitiv geeinigt“, bestätigte die Neuköllner Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU).

Der Investor plant auch einen weiteren Standort am ehemaligen Güterbahnhof Halensee in Charlottenburg-Wilmersdorf. Das dortige Vorhaben ist aber umstritten und baurechtlich noch nicht gesichert. 2004 war ein Projekt auf der alten Radrennbahn Schöneberg gescheitert, weil der Liegenschaftsfonds des Senats letztlich dem Konkurrenten Kurt Krieger (Möbel Höffner) den Zuschlag gab.

Dagegen empfängt Neukölln den Investor aus Österreich mit offenen Armen: „Ich freue mich sehr“, sagte Stadträtin Vogelsang. Die Karl-Marx-Straße erhalte mit dem Möbelhaus einen neuen Publikumsmagneten. Im Gegensatz dazu habe der Karstadt-Konzern das Hertie-Haus seit Anfang der 90er Jahre „immer mehr herunterkommen lassen“ und schließlich zum „Schnäppchenmarkt“ degradiert.

Der wirtschaftlich angeschlagene Konzern Karstadt-Quelle sucht Käufer für kleine und unrentable Warenhaus-Standorte in ganz Deutschland. Über das Hertie-Gebäude aus den 60er Jahren wurde mit mehreren Interessenten verhandelt. Die Vertragsunterzeichung mit Lutz/Neubert steht offenbar noch aus. „Von einem Abschluss weiß ich bisher nichts“, sagte ein Karstadt-Sprecher. Aber laut Stefanie Vogelsang ging es zuletzt nur noch darum, unter welchen Bedingungen das Hertie-Personal übernommen wird. Die meisten der 80 Mitarbeiter könnten wohl mit ihrer Weiterbeschäftigung im Möbelhaus rechnen, so die Stadträtin.

Eine Lösung bahnt sich auch für das Projekt in Halensee an. Lutz/Neubert kaufte das einstige Bahnhofsgelände nahe dem Kurfürstendamm und der Stadtautobahn von der bundeseigenen Immobilienfirma Vivico. Dort sind aber 23 kleinere Betriebe mit knapp 200 Mitarbeitern ansässig, die nicht wegziehen wollen. Auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf schlug sich auf ihre Seite. Nun hat die Vivico den Betrieben zugesagt, dass sie bis März 2007 bleiben können und bietet außerdem Ersatzstandorte an. CD

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