Berlin : Kassen fordern Abbau von 4850 Klinik-Betten

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Von Ingo Bach

Die Berliner Krankenkassen wollen Millionen im Krankenhausbereich einsparen und setzen ihr Skalpell nun bei den Krankenhäusern an. 4850 Krankenhausbetten sollen bis 2005 verschwinden, rund ein Fünftel der gesamten Klinik-Kapazitäten in Berlin. Denn die Krankenhausversorgung in der Stadt sei im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt zu teuer, weil es zu viel kostenintensive Hochleistungsmedizin gebe. Heute werden Vertreter der AOK, der Ersatzkassen und der Betriebskrankenkassen gemeinsam ein Konzept vorstellen, wie dieser Abbau möglich ist, ohne die Patientenversorgung zu gefährden. Derzeit gibt es in Berlin rund 23 000 Betten in 71 Krankenhäusern.

Von den Kassen ist Kritik am „Schmusekurs" von Gesundheitsstaatssekretär Hermann Schulte-Sasse zu hören, der den neuen Krankenhausplan erarbeitet. Er sei zu nachgiebig gegenüber den Krankenhäusern. Schulte-Sasse will die Bettenreduzierung gemeinsam mit den Kliniken erreichen. Dabei geht er derzeit noch von viel weniger Betten aus, die abgebaut werden müssten, als die Krankenkassen: zwischen 2000 bis 2500. Allerdings wolle man weg vom sturen Bettenzählen hin zu einem Plan, der das notwendige Leistungsangebot in den Kliniken regele, sagt Schulte-Sasse,. „Die Vorschläge der Krankenkassen sind willkommen. Wenn sie sich am Berliner Bedarf orientieren."

Bei seinen Verhandlungen mit den Krankenhäusern hat der Staatssekretär ein starkes Druckmittel: die Einführung von so genannten Fallpauschalen, nach denen ab 2007 nicht mehr nach belegten Betten sondern nach behandelten Erkrankungen honoriert wird. Denn auch die Krankenhausträger wissen, dass durch die neue Abrechnungsmethode mehr Eingriffe ambulant erledigt werden und damit die Kliniken ihre jetzigen Betten nicht mehr auslasten können, also abbauen müssen. Selbst die Reduzierung um 2500 Betten erscheint manchen Kliniken als zu wenig. Der Chef des Unfallkrankenhauses Marzahn, Axel Ekkernkamp, rechnet mit 4400 Betten. „Die Fallpauschalen und mehr ambulante Operationen bedeuten mindestens 20 Prozent weniger Patienten für die Kliniken – und damit auch ein entsprechendes Minus bei den Kapazitäten.“ Der Charité-Verwaltungsdirektor Bernhard Motzkus hält sogar den Abbau von 5000 Betten für wahrscheinlich. Das werde dazu führen, dass man Krankenhaus-Standorte durch Fusionen reduzieren müsse. Motzkus schlägt einen Solidarpakt aller Krankenhäuser und der Kassen vor, um den notwendigen Abbau zu bewältigen. „Besser so als ab 2007 ein unkontrolliertes Krankenhaussterben durch die Fallpauschalen."

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