Berlin : Katarina Witt: Mieter wollen klagen

Annekatrin Looss

Die Mieter in der Krausnickstraße 22 im Bezirk Mitte sind sauer. Sie haben Wasser im Keller, im Treppenhaus hängen nackte Glühbirnen, der Hof ist schon seit Jahren eine Baustelle. Die Sicht aus den Fenstern wird durch Baugerüste behindert. Nichts besonderes eigentlich, denn das Haus wird saniert. Doch seit dem vergangenen Jahr gehört das Haus Katarina Witt. Und die würden einige Mieter jetzt am liebsten vor Gericht sehen.

"Als wir im August des vergangenen Jahres hier eingezogen sind, sollte die Sanierung eigentlich schon vorbei sein", sagt Gabriele Bucher. "Doch seitdem hat sich fast gar nichts getan." So lehnen die alten Briefkästen noch immer an Bretter genagelt im Hausflur. Viele teilen sich ihren Briefkasten mit einem Nachbarn. Dabei sind die neuen Briefkästen schon neben dem Fahrstuhl in die Wand eingelassen. "Aber die Schlüssel kriegen wir nicht, weil die Kästen noch nicht bezahlt sind." Eine Nachbarin klagt über den Trockenboden, der seit Beginn der Sanierungsarbeiten im Januar 1999 nicht mehr zu benutzen ist. "Jetzt müssen wird die ganze Wäsche in unserer Wohnung trocknen, die für eine vierköpfige Familie sowieso schon viel zu klein ist." Deshalb hat die Mieterin seit einigen Monaten die Miete um 15 Prozent gekürzt - prompt lag eine fristlose Kündigung im Briefkasten. "Wir haben die Sache jetzt unserem Anwalt übergeben."

Auch dass Haustüren und Kellerfenster nicht zu verschließen sind, stört die Mieter. Außerdem sei der Hof seit Jahren eine Baustelle; die Kinder hätten hier keinen Platz zum Spielen mehr. In vielen Wohnungen seien die Elektroleitungen falsch verlegt.

Die zuständige Hausverwaltung wiegelt ab: "Bei den noch ausstehenden Arbeiten handelt es sich bloß um Kleinigkeiten", erklärt Rechtsanwalt Wolfgang Müller, der den Hausverwalter Wolfgang Klett vertritt. Dass sich die Arbeiten so lange hinzögen, liege an den Baufirmen. Insgesamt habe man jetzt drei fristlose Kündigungen verschickt. Allesamt an Mieter, die wegen der Kürzungen fast gar keine Miete mehr bezahlen und auf Anfragen schon seit Monaten nicht mehr reagierten, so Müller.

Die Nachbarn schütteln ungläubig den Kopf. Das größte Problem sei eigentlich, dass man nie eine Antwort von der Hausverwaltung bekomme, sagt Thomas Carmine. Erst nach zahllosen Briefen und Anfragen bekomme man eine Reaktion. Carmine muss es wissen: Als er im vergangenen Jahr seine Wohnung bezog, hätten in der Küche wochenlang Spüle und Herd gefehlt.

Katarina Witt, die das Haus im vergangenen Jahr zusammen mit zwei anderen Personen gekauft hat, ist nicht die erste Ex-Sportlerin, die Streit mit ihren Mietern hat. So musste sich Steffi Graf im vergangenen Jahr wegen Mietmängeln vor dem Berliner Landgericht verantworten. Der Mieter ihrer Wohnung im Bezirk Köpenick beklagte unter anderem eine klemmende Abzugshaube, eine nicht funktionierende Außenjalousie und eine Küche, die kleiner sein soll, als im Vertrag angegeben. Die Zivilkammer des Landgerichtes wies die Klage des Rentners jedoch ab. Steffi Graf wurde lediglich zum Einbau eines weiteren Besteckkastens in der Küche verpflichtet.

Geht es nach Witt-Anwalt Müller, soll der Streit in einer Gesprächsrunde zwischen Hausverwalter und Mietern geschlichtet werden. Schließlich handele es sich bei den Streitigkeiten nur um Missverständnisse. Ob Katarina Witt, die das Dachgeschoss in der Krausnickstraße bezogen hat, daran teilnimmt, lässt er offen. Auch den meisten Mietern ist das egal: "Die Probleme haben wir ja mit der Hausverwaltung und nicht mit Frau Witt", sagt Carmine. "Nur einen Gefallen könnte sie uns tun: einen neuen Verwalter für das Haus finden."

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