Katastrophe Großveranstaltung : An einem ganz normalen Tag in Berlin

Unser Redakteur für besondere Aufgaben Peter von Becker fährt in einer ganz normalen S-Bahn zu einem ganz normalen Hertha-Spiel. Aber normal ist an dieser Situation in Berlin gar nichts.

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Der Weg ins Olympiastadion wird zum Hertha-Spiel regelmäßig zum Abenteuer.
Der Weg ins Olympiastadion wird zum Hertha-Spiel regelmäßig zum Abenteuer.Foto: AFP

Mittwochnachmittag um 16.45 Uhr am S-Bahnhof Charlottenburg. Drei Züge Richtung Olympiastadion halten so überfüllt, dass sie keine Fahrgäste mehr aufnehmen können. Es geht zu Hertha gegen Real Madrid, das Spiel soll um 18 Uhr beginnen. Die Aufsicht am Bahnsteig: ebenso unbesetzt wie die Information (Jalousien runtergelassen). Und es gibt keine Durchsagen. Erst in die vierte Bahn gelingt es wenigen, sich hineinzuquetschen.

Beim nächsten Halt am Westkreuz sind die Bahnsteige schon brechend voll von wartenden Fanmassen, auch in unseren Zug passt keiner mehr hinein. Trotzdem bleiben die Leute drinnen und draußen erstaunlich ruhig. Allerdings drängen über die Treppen von der Ringbahn immer mehr Menschen nach. Der Zugführer meldet mürrisch, er werde nicht weiterfahren, wenn die Wartenden nicht hinter die Markierungslinie am Bahnsteig zurücktreten. Dann stellt er den Motor (und die Lüftung) aus. Wir warten, die Innentemperatur ist tropisch, und noch immer drängen die Fußballfans nach. Nun fallen Worte wie „Duisburg“ und „Loveparade“, eine Mutter mit Kleinkind wird halb ohnmächtig nach draußen ins Freie (?) bugsiert.

Zwei Aufsichtsmänner hangeln sich außen am Zug entlang, aber keine Infos, keine Durchsagen. Wachsende Panik, bis der Zug nach etwa 20 Minuten endlich weiterfährt. Das Spiel beginnt leicht verspätet, und auch hinterher fehlen die angezeigten „Sonderzüge“. Da schreitet die Polizei ein und sperrt vorübergehend den überfüllten Stadion-Bahnhof.

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