• Katastrophenhelfer für die Berliner Polizei - Dem neuen Vize Gerd Neubeck werden Ambitionen nachgesagt

Berlin : Katastrophenhelfer für die Berliner Polizei - Dem neuen Vize Gerd Neubeck werden Ambitionen nachgesagt

Werner Schmidt

Er gilt als "unverbraucht" und wird von Kollegen und Mitarbeitern bereits nach wenigen Tagen als "menschlich einfühlsam und interessiert" empfunden. Auf Gerd Neubeck, der als neuer Polizeivizepräsident am 15. März sein Amt antrat, ruhen viele Hoffnungen, in der Polizei ebenso wie in der Politik. "Ein Katastrophenbekämpfer ist der richtige Mensch in der Katastrophe der Inneren Sicherheit in Berlin, insbesondere bei dem Krieg zwischen Schutz- und Kriminalpolizei", sagte der innenpolitischer Sprecher der Grünen, Wolfgang Wieland. Er spielte auf Neubecks Funktion als Bundessprecher des Technischen Hilfswerks (THW) an.

Das THW soll Wieland zufolge auch das Band gewesen sein, über das Berlin erste Kontakte zu Neubeck geknüpft hat - über den früheren Vorsitzenden des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus und THW-Aktiven Rüdiger Jakesch, der jetzt Staatssekretär bei Innensenator Werthebach ist. Jakesch habe sich bereits in der vergangenen Legislaturperiode für Neubeck stark gemacht, sagte Wieland. Andere Quellen wiederum besagen, Neubeck sei über Kontakte zwischen Innensenator Werthebach und dessen bayerischen Amtskollegen Günther Beckstein ins Gespräch gebracht worden. Er stammt wie Neubeck aus Nürnberg.

Der Oberstaatsanwalt aus Franken soll in Berlin vor allem die Verwaltungsreform in der Polizei mit dem Schwerpunkt Kosten- / Leistungsrechnung umsetzen. Die Landespolizeischule und das Landespolizeiverwaltungsamt sollen dem Vize direkt unterstehen.

Noch vor dem Amtsantritt von Gerd Neubeck tauchten in den Fluren des Polizeipräsidiums am Platz der Luftbrücke Gerüchte auf, wonach Eckart Werthebach den 48-jährigen Juristen als Nachfolger von Polizeipräsident Hagen Saberschinsky aufbauen möchte. Dies könnte möglicherweise schon diesen Oktober soweit sein. Denn dann endet Saberschinskys einjährige Dienstzeitverlängerung. Die Amtszeit des 60-Jährigen, der als Exekutivbeamter regulär im Oktober 1999 pensioniert worden wäre, wurde zunächst um 12 Monate verlängert, wobei Saberschinsky immer gefordert hatte, bis zum 65. Lebensjahr im Amt zu bleiben.

Die Chancen dafür stehen im Augenblick denkbar ungünstig. CDU-Koalitionspartner SPD hatte sich im vergangenen Jahr bereits mit der Zustimmung zur einjährigen Amtsverlängerung des Polizeipräsidenten schwer getan und erklärt, eine anschließende gesetzliche Verlängerung werde man keinesfalls mittragen.

Aber sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, dann, so heißt es weiter, ginge dies einher mit einer totalen Umstrukturierung der Behörde. Das Fünf-Säulen-Modell werde zugunsten einer gestrafften Organisation mit zwei Bereichen aufgelöst. Der Posten des Landesschutzpolizeidirektors werde zugunsten eines Landespolizeidirektors gestrichen. Dieser wäre, wie früher, direkt unter der Behördenspitze angesiedelt und Chef über die Schutz- und die Kriminalpolizei - eine Integrationsfigur wie sie sich viele wünschen, die die ständigen Querelen zwischen Schupo und Kripo leid sind.

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