Katastrophenschutz : Das eigene Leben für andere einsetzen

Sie sind bei der Feuerwehr, bei der Unfallhilfe oder beim Technischen Hilfswerk tätig. Viele Berliner engagieren sich ehrenamtlich im Katastrophenschutz. Am Wochenende wird das gewürdigt.

Philip Hauner
Feuerwehr
Wenn's brennt: Ehrenamtliche Helfer sind bei der Feuerwehr unverzichtbar. -Foto: dpa

BerlinSie setzen ihr Leben für andere ein, opfern ihre Freizeit, bekommen kein Geld und erhalten selten Anerkennung für ihre Leistung. An diesem Wochenende will deshalb der Senat in der Arena in Treptow jene Menschen würdigen, die sich ehrenamtlich im Katastrophenschutz engagieren: etwa bei der freiwilligen Feuerwehr, den Wasserrettern oder dem Roten Kreuz. Geworben werden soll für das Ehrenamt; angesprochen werden sollen dabei besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund. Wir stellen fünf Berliner vor, die seit Jahren aktiv sind.

Sven Klingelhöfer: „Aus nichts alles machen, das ist meine Devise“, sagt der 30-jährige Sven Klingelhöfer aus Lichterfelde. Seit 13 Jahren ist er für die Johanniter-Unfallhilfe ehrenamtlich tätig. „Ich bin groß geworden mit der Love Parade“, sagt Sven Klingelhöfer. Bei den damaligen Einsätzen habe er viel gelernt und sich Wissen angeeignet, das ihm heute bei vielen Einsätzen hilft, kürzlich beim Berlin-Marathon. Ohne seine Erfahrung wäre er auch bei einem Einsatz im Sommer nicht so ruhig geblieben. Wegen eines Bombenfunds in Wilmersdorf musste er hilfsbedürftige Personen aus Wohnungen in Notunterkünfte bringen. „Ich konnte in den Augen überall ein Dankeschön sehen, das war schon toll“, findet der Johanniter.

Stephanie Mohr: Drei bis vier Stunden pro Tag opfert Stephanie Mohr für ihre unentgeltliche Arbeit beim Technischen Hilfswerk (THW). „Ein privates Wochenende habe ich fast nie“, erzählt die 28-Jährige aus Charlottenburg. Aber sie macht gerne Abstriche: „Dank meiner Arbeit beim THW habe ich viel Selbstvertrauen gewonnen. Heute kann ich ohne Hemmungen vor großen Gruppen reden, früher wäre das undenkbar gewesen“, sagt die ausgebildete Erzieherin und Leiterin einer Kindertagesstätte. „Mit dreizehn konnte ich gerade mal eine Schraube reindrehen, heute erkläre ich Jugendlichen, wie eine Schmutz-Wasser-Kreisel-Pumpe funktioniert. Das ist doch großartig.“ Beim Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002 hat Stephanie Mohr mitgeholfen, Barrieren gegen die anschwellende Elbe zu errichten und überflutete Keller auszupumpen.

Jörg Westenweller: Dass er alle zwei Jahre auf die Sylvester-Feier verzichten muss, ist für Jörg Westenweller selbstverständlich. „Zum Ehrenamt gehört nun mal Verantwortung“, sagt der 45-jährige Familienvater. Er ist seit 30 Jahren bei der Feuerwehr ehrenamtlich im Einsatz. „Ich bin in einer Feuerwehr-Dynastie aufgewachsen – mein Urgroßvater, Großvater und Vater waren alle Feuerwehrmänner – und wollte diese Tradition nicht so einfach aufgeben“, sagt der ausgebildete Maurer. Vor Jahren zog er sich schwere Verletzungen bei einem Dachstuhlbrand zu. „Wir glaubten, der Brand wäre gelöscht, doch eine plötzliche Durchzündung ließ ihn nochmals entflammen“, erinnert sich Westenweller, „und dann waren mein Hals, Nacken und Rücken mit Brandblasen übersäht.“ Weil der Job als freiwilliger Feuerwehrmann viele Gefahren birgt, sind Loyalität und gegenseitige Rücksicht besonders gefordert. „Wie eine große Familie“ sieht Jörg Westenweller seine Feuerwehrgruppe. „Wir sind füreinander da, weil wir uns brauchen“, sagt er.

Max Berger: Für viele ist es ein Traum: Den ganzen Tag am Strand. Dennoch ist der Job als Rettungsschwimmer an der Havel kein Zuckerschlecken und auch kein Baywatch-artiges Vergnügen. „Die Idee, dass wir jedem Tag mit Ferngläsern auf das spiegelglatte Wasser starren, bis wir jemanden ertrinken sehen, und dann mit unseren Boards ins Wasser stürmen, ist völlig absurd“, sagt der 22-Jährige aus Pankow. Die ehrenamtliche Arbeit bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) besteht für Max Berger hauptsächlich aus dem Warten der Rettungsboote und der Ausbildung von jungen Rettungsschwimmern. Aber natürlich gibt es immer wieder auch Ernstfälle. Max Berger erinnert sich an die Havarie eines Segelboots auf der Havel. „Das Boot war gekentert und trieb im kalten Wasser, das Seglerpaar klammerte sich mit letzten Kräften an das gekenterte Boot, die Klamotten waren mit Wasser vollgesogen.“ Max Berger selbst sieht sich trotzdem nicht als Held: „Ich mache meinen Job, wie andere auch. Nur schön wäre es, wenn es mal wieder Geld für die völlig maroden Rettungsboote gäbe. Die sind teilweise bis zu 50 Jahre alt.“

Melda Akbas: Alles fing damit an, dass die 17-jährige Gymnasiastin zur Klassensprecherin gewählt wurde. „Dann kam eins zum anderen“, erzählt sie. Mittlerweile ist sie im Bezirksschülerausschuss und im Bezirksschulbeirat tätig und will auch ihre Mitschüler für ehrenamtliches Engagement gewinnen. „Viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten einem offenstehen, und dass man als Schüler viel mitentscheiden kann“, sagt die frisch gewählte Schulsprecherin. Ihr neuestes Projekt „LOS“ – „let’s organize something“ wird von der türkischen Gemeinde Deutschland unterstützt. „Wir wollen damit mehr Kinder mit Migrationshintergrund für die ehrenamtliche Arbeit gewinnen“, erklärt Akbas. Texte: Philip Hauner

„Retter, Technik und Aktionen – sei dabei“. Sonnabend 13 Uhr, Sonntag ab 10 Uhr, Arena Treptow, Eichenstr. 4. Programm im Internet: www.berlin.de/sen/inneres

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