Katholische Theologie : Senat und Kirche wollen weitere Professur an der FU

Senat und katholische Kirche sind sich einig: Die Freie Universität soll eine weitere Theologie-Professur bekommen.

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Werben um Aufmerksamkeit. Bischof Koch (links) und Senatschef Müller.
Werben um Aufmerksamkeit. Bischof Koch (links) und Senatschef Müller.Foto: dpa

Die katholische Theologie an der Freien Universität soll durch eine zweite ordentliche Professur gestärkt werden. „Wir wollen in einen entschiedenen Gesprächsprozess darüber eintreten“, sagte Erzbischof Heiner Koch am Dienstag. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bekräftigte: „Die Forderung des Erzbistums nach einem weiterem Lehrstuhl ist nachvollziehbar. Deshalb wollen wir eine gemeinsame Initiative starten.“

Bislang gibt es an der FU eine ordentliche Professur. Das sei zu wenig für eine umfassende theologische Lehre, argumentiert die Kirche – und hat vor einigen Jahren Argumentationshilfe vom Wissenschaftsrat bekommen. Das Gremium hatte im Hinblick auf die Einrichtung von Islam-Zentren festgestellt, dass es mindestens vier Lehrstühle brauche, um Theologie an einer staatlichen Hochschule zu unterrichten. „Der Senat verhandelt gerade mit den Hochschulen und den Muslimen über die Einrichtung von vier Theologie-Professuren“, sagte Bischof Koch. „Wir Katholiken wollen auch noch wahrgenommen werden!“

Katholische Kirche will Staatskirchenvertrag

Auch was die staatskirchenrechtliche Vereinbarung zwischen dem Land Berlin und dem Erzbistum angeht, fühlt sich das Erzbistum zurückgesetzt. „Ich sehe nicht ein, warum es seit 2006 einen Staatskirchenvertrag mit der evangelischen Kirche gibt, aber nicht mit uns“, sagte Bischof Koch am Dienstag. Staatskirchenverträge regeln die Bereiche, in denen Staat und Kirche zusammenarbeiten, zum Beispiel beim Religionsunterricht an Schulen, Theologie an den Universitäten, Polizei-, und Gefängnisseelsorge. Das Verhältnis zwischen dem Land Berlin und dem Erzbistum regelt bisher ein „Abschließendes Protokoll“ für Westberlin von 1970, dessen Geltung nach 1990 auf ganz Berlin ausgeweitet wurde. „Ein richtiger Staatskirchenvertrag gibt größere Rechtssicherheit“, sagte Koch. Offiziell müsste der Vatikan, vertreten durch den Nuntius in Berlin, den Vertrag aushandeln. Das Erzbistum will jetzt den Anstoß dazu geben. Alle anderen Bundesländer haben bereits Verträge mit der katholischen Kirche abgeschlossen.

Vertreter von Senat und Erzbistum sprachen am Dienstag zwei Stunden miteinander. Im Anschluss betonten beide Seiten, wie viel sie aneinander haben. Müller lobte die Hilfe der Kirche bei der Unterbringung und Integration der Flüchtlinge. Thema war am Dienstag auch der erwogene Umbau von St. Hedwig. Koch hofft auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt, falls sich das Bistum bis zum Sommer für einen Umbau entscheidet. Die Behörde hatte schon vor zwei Jahren ihr Veto eingelegt. Senat und Kirchen treffen sich regelmäßig alle zwei, drei Jahre zu Konsultationen.