Berlin : Katrin Saß erklärt die Zone

Schauspielerin zu Gast in Zehlendorf

Foto: dpa/Unger
Foto: dpa/UngerFoto: picture-alliance/ dpa

Im abgedunkelten Bürgersaal vom Rathaus Zehlendorf dröhnen die blitzenden Paradestiefel Nationaler Volksarmisten, rollen Raketen an der Führungsriege vorbei – der größte Schützenverein der DDR gibt seine letzte Vorstellung. Es ist der 7. Oktober 1989. Einen Monat und zwei Tage später löst sich die DDR in Wohlgefallen auf, aber eine kranke Mutter und vorbildliche Genossin darf das nicht erfahren. Sie verschläft das Ende der DDR und den Siegeszug des Kapitalismus. Diese geniale Idee machte den Film „Good bye, Lenin“ 2003 zum Welterfolg. Die Hauptrollen spielen Ost-Berlin und Katrin Saß, Mittwochabend sitzt die Schauspielerin neben dem Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses Uwe Lehmann-Brauns von der CDU und schaut sich eine Kurzfassung des Films an, bevor sie den Zehlendorfern im halb gefüllten Saal erzählt, wie das damals war mit dem realen Leben in dieser seltsamen und unheimlichen DDR, die sie immer nur „die Zone“ nannte, wie sie heute sagt. In der kleinen Talkshow möchte Uwe Lehmann-Brauns wissen, wie die 1956 in Schwerin geborene Schauspielerin die DDR erlebt hat. Ein abendfüllendes Programm. Katrin Sass mit der Wuschelfrisur und der markanten Stimme lobt ihre tolle Ausbildung, mit der sie in ihren Traumberuf kam – politisch stutzig wurde sie erst 1976, „als das losging mit Biermann“. Wo immer sie Theater spielte, gab es „eine große Sehnsucht nach der Heimat Schwerin“. Nur im Intershop habe man damals die Freiheit gerochen und sehr geheult, wenn die Westverwandtschaft mit dem dicken Auto wieder davonfuhr. West-Berlin und die Berlinale, auf der sie 1982 für ihre Rolle in „Bürgschaft für ein Jahr“ einen Silbernen Bären gewann, war wie ein Rausch, aber auch ein Schock, und auf die Frage, ob sie nicht daran gedacht habe, mit dem Bären nach Marienfelde zu gehen, sagt Katrin Saß trotzig: „Ich war irgendwie stolz, mit etwas Schönem, also mit so einer Auszeichnung, zurückzukommen.“ Überhaupt sei alles so richtig, wie es mit ihr gelaufen ist. Ihr Traum? Dass die Stasi-Leute mit Hartz IV im Plattenbau leben sollten. Den Lenin aus Stein allerdings hätten sie ruhig stehen lassen können, als Symbol für die übernächste Generation. Pläne? Die Familiensaga „Weißensee“ wird fortgeschrieben und von August bis November gedreht. Lo.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben