Berlin : Katzen sollen spielen

Tierheim befürchtet durch Vogelgrippe Überlastung Auf mögliche Stubenpflicht kaum vorbereitet

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Cherry Plum oder Agrimony stehen vor einer Hochkonjunktur. Das sind zwei Bachblüten, die für Friede, Ruhe und Heiterkeit sorgen, und zwar nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Katzen.

Berliner, die eine Hauskatze haben, die es gewohnt ist, draußen herumzulaufen, blicken besonders besorgt auf die nahende Vogelgrippe – die eine Stubenpflicht für Katzen mit sich bringt. Sperrt man aber an Auslauf gewöhnte Tiere ein, kann das für Mensch und Tier zur Strapaze werden. Im Berliner Tierheim fürchten sie deshalb, von überforderten Katzenhaltern überrannt zu werden, wenn die Stubenpflicht ausgerufen wird. Bisher gebe es allerdings keine vogelgrippebedingten Abgaben, sagte Tierheimsprecher Marcel Gäding. Er forderte alle Berliner auf, ihre Katzen nicht dorthin zu bringen. Stattdessen sollten die Katzenhalter für ihr Haustier ein ausgiebiges Spiel- und Bewegungsprogramm auflegen, wenn es denn in der Wohnung bleiben müsse. Damit es sich müde spielt. Ansonsten rät er eben, es mit der Bachblütentherapie zu versuchen.

Auch beim Deutschen Tierhilfswerk Berlin wird bisher kaum Aufregung registriert. Es habe lediglich telefonische Anfragen gegeben. Zu „übertriebenen und verantwortungslosen Reaktionen“ bestehe auch keinerlei Anlass, sagte Tina Kugler, Veterinärin beim Deutschen Tierhilfswerk. Weltweit sei kein einziger Fall einer Virusübertragung von der Katze auf den Menschen bekannt. Tierhalter sollten stattdessen die Ruhe bewahren und bei Krankheitssymptomen der Katze wie Mattigkeit und Fressunlust zum Tierarzt gehen.

Im Tierheim sind derzeit 800 Tiere untergebracht, für höchsten 150 weitere Katzen wäre noch Platz, sagte Gäding.Einen geeigneten Impfstoff für Haustiere gegen das Vogelgrippevirus gibt es nach Angaben aus dem Bundesagrarministerium nicht.

Berliner Tierärzte warnen ohnehin vor Panik: „Es wird eine Hysterie gemacht“, meint Rudolf Krause. „Die Katze auf Rügen ist mit der Vogelgrippe gestorben, nicht an ihr.“ Er glaubt, dass Berliner Haustierhalter sich keine Sorgen machen müssen. Siegfried Heinemann ist überzeugt: „Rügen bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Einzelfall.“ Die Katze sei in engen Kontakt zu dem infizierten Geflügel gekommen. Vorsichtiger ist da schon Claudia Pastor. Die Ärztin hat selber fünf Katzen und lässt sie zu Hause. „Die Vogelgrippe hat so ein Tempo drauf, da muss man alle Vorsicht walten lassen.“ Katzen und Hunde würden sich jedoch eher nicht anstecken, fügt sie hinzu. Katzenhaltern, die ihre Tiere zu Hause lassen wollen, empfiehlt sie: „Viel spielen und Klettermöglichkeiten schaffen. ari/mj

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